Projekt: Mega Waaaghboss

Vorgeschichte

Es begab sich zu einer Zeit, als sich die komplette Magabotato-Redaktion im schönen Marktheidenfeld zum Bemalwochenende getroffen hat. Neben geselligen Beisammensein, Malen und Spielen, wurde reichlich gegessen und getrunken. Sebbo hat nicht nur die Location, sondern auch seine gesamte Bitzbox sowie einige Miniaturen zur Verfügung gestellt, die er veräußern wollte. Da ich, wie die meisten Tabletop-Begeisterten am Sammelwahn leide, habe ich mich natürlich gleich darauf gestürzt.

Neben einigen Bits für mein Nurgle Death Guard Projekt, bin ich auch über ein paar Inquisitormodelle gestolpert. Da ich die Miniaturen des 54mm Tabletops sammel (und hoffentlich auch irgendwann bemalen werde), mussten wir uns an den Verhandlungstisch begeben.

Im Vorfeld hat mir Sebbo von seinem früheren Ork-Projekt erzählt. Orks werden laut Fluff ja eigentlich als besonders massig und stark dargestellt, nur leider geben die Miniaturen von GW dies nicht wider. Also hat sich Sebbo überlegt, Orkbosse als normale Boyz und Waaghbosse als Ork-Boyz einzusetzen. Nun brauchte er aber noch ein entsprechend großes Modell um seinen Waaagh anzuführen und einen erhabenen Obaboss darzustellen.

Da es von Games Workshop kein entsprechendes Modell gab, hat er sich also einen Troll vom Herr der Ringe Tabletop geschnappt und angefangen zu modellieren. Die Hose und Schuhe hat er soweit fertig bekommen, bis er keine Lust mehr hatte. Also hat er die Fertigstellung der Mini in Auftrag gegeben und herausgekommen ist dann dieses wirklich beeindruckende Modell. Neben Lego-Bauteilen, einem imperialen Granatwerfer und eine Menge Green Stuff, findet man hier auch kleine Details aus Metall wie Schrauben und Zahnräder wieder.

 

Viele Jahre fristete sie ihr Dasein unbemalt in der Vitrine, da er seiner Meinung nach, die Miniatur nicht entsprechend bemalen kann. Somit sind wir überein gekommen, das ich im Tausch gegen die Inquisitor-Figuren mich darum kümmern werde.

In diesem Beitrag möchte ich euch an der Verwirklichung der Bemalung teilhaben lassen und kurz erläutern, wie ich dabei vorgegangen bin.

Ideenfindung und Szenerie

Da ich den Ork-Boss absolut genial modelliert fand, habe ich mich auch gleich nach dem Malwochenende hingesetzt und mir überlegt, wie man ihn seinem Status entsprechend präsentieren kann.

Zuerst brauchte ich ein passendes Setting. Zu einer WW2-angehauchten Miniatur passte meiner Meinung nach ein Graben- bzw. Stellungskrieg ganz gut. Daraufhin suchte ich mir eine entsprechend große Base heraus und baute aus Stückchen von Korkuntersetzern zuerst ein Grundgerüst für einen Schützengraben.

Als dies dann getrocknet war, habe ich die Lücken mit Korkschrot gefüllt und den Boden sowie die Wand mit Holzplanken aus Balsaholz versehen. Diese wurden mit dem Bastelmesser ein wenig bearbeitet, so dass sie abgenutzt und schon ein wenig verwittert aussahen.

Nun sah das Ganze aber noch ein wenig leblos aus. Daraufhin habe ich meine Bitzbox geschnappt und habe mich einfach mal davon inspirieren lassen. Ein paar Sandsäcke, Munitionskisten und Kanister sollten die Base ein bisschen auflockern.

Nun wirkte der Boss auf der großen Base aber ein wenig verloren, wodurch er gar nicht mehr so beeindruckend aussah. Ich brauchte also irgendwas seine Größe hervorzuheben. Um einen direkten Größenvergleich herzustellen schnappte ich mir also noch einen Cadia-Soldaten und ließ ihn vor dem Xenos flüchten – auch wenn es wahrscheinlich nichts bringen wird.

Zusätzlich fand ich noch einen kleinen Grot, den ich irgendwie integrieren wollte. Mir gefiel die Idee eines kleinen Wichts, der in Anbetracht dessen, dass er der Boss in der Nähe ist die Klappe schön weit aufreißt und fleißig mit stänkert. Da Grots alles Mögliche stehlen und plündern, hat er auch noch einen imperialen Helm bekommen.

Die Szene gefiel mir soweit ganz gut und nach einer kurzen Stellprobe, wurden die Minis wie gewohnt gepinnt und konnten grundiert werden.

 

Bemalung

Nun ging es endlich ans Bemalen. Ich entschied mich für ein Farbschema in dunklen Brauntönen, da dies zum Einem zu den Orks ganz gut passt und zum Anderem sich auch schön in das Diorama einfügen sollte. Hauptsächlich benutzte ich die braunen Farben der Vallejo Air Range und für das Leder Red, Brown und Black Leather von AK Interactive und Scale75. Die Haut bekam zuerst einen Grundton mit Orkhide Shade und das Metall wurde mit Steel der Vallejo Metal Color Range bemalt. Letzteres ist meiner Meinung nach die momentan beste Metallfarbe auf dem Markt, die diese sofort beim ersten Mal deckt und das Fließverhalten einfach überragend ist.

Somit befand ich mich mitten in der „Oh-Shit-Phase“. Nach der Bearbeitung mit verschiedenen Washes von Citadel und Vallejo sah das aber schon wieder ganz anders aus.

Während die Wash trocknete, habe ich mich um den Cadianer gekümmert. Dieser erhielt für die Kleidung eine Grundschicht mit Steel Legion Drap von GW und für die Rüstung verwendete ich Cam. Black Green von Vallejo Air. Nachdem die Grundfarben aufgetragen wurden, erhielt auch er ein paar Shades. Die Kleidung mit Agrax Earthshade und die grünen Teile mit Nuln Oil.

Der kleine Grot hat einen helleren Hautton als der Boss, also bemalte ich ihn erst mit Knarloc Green und sein Lendenschurz mit Pale Blue von Vallejo. Der Helm wurde genauso wie beim Cadianer bemalt.

Nachdem auch dieser gewashed wurde, malte ich am Base weiter. Die Erde erhielt eine Grundschicht Dark Earth und die Steineelemente wurden mit Concrete von Vallejo Model Air bemalt. Die Holzteile erhielten einen Anstrich mit Varnished Wood von AK Interactive

Diese wurden im Anschluss mit Satin-Varnish versiegelt, denn hier soll später das Wash for Wood von AK Interactive zum Einsatz kommen. Da diese auf Alkohol basiert und teilweise mit White Spirit bzw. Terpentinersatz behandelt wird, ist dieser Schritt ungemein wichtig.

Die Trocknungszeit nutze ich nun um den Warboss weiter zu malen. Beim Aufhellen der einzelnen Farbbereiche gehe ich immer wie folgt vor:
1. – Grundfarbe + Wash
2. – Grundfarbe
3. – in die Grundfarbe wird nun immer mehr vom nächst helleren Ton beigemischt
letzter Schritt – auf die höchst gelegenen Stellen bzw. an die äußersten Kanten kommt nun der hellste Farbton zum Einsatz.

Die Haut wurde zuerst mit Knarloc Green so bemalt, dass in den Vertiefungen noch das Orkhide Shade zu sehen war. Danach wurde eine 3:1:1 Mischung mit Knarloc Green, Goblin Green und Moon Yellow aufgetragen. Dieser Mischung gab ich dann immer mehr Bonewhite hinzu. An besonders auffallenden Stellen wie unter den Lippen und Augen, habe ich eine verdünnte Wash aus Drakenhof Nightshade aufgetragen. Dies lockert die sonst zu einheitlich wirkende Farbe etwas auf.

Die Haut des Grots wurde wie beim Boss aufgehellt, nur dass dieser im Allgemeinen heller bemalt wurde.

Bei den braunen Bereichen wurde demzufolge bis zu Light Brown hochgezogen, während beim Mantel Ivory und bei den dunkelgrauen Bereichen White Grey die letzte Farbschicht bilden. Wie Duncan bei den Bemalvideos von Games Workshop schon immer zu sagen pflegt: „Always thin your paints.“ Dies ist bei meiner Vorgehensweise extrem wichtig, da man so saubere Übergänge hinbekommt. Ich nutze zum Verdünnen und Verbessern der Fließeigenschaften Lahmia Medium von Citadel. Dies verzögert das Antrocknen der Farbe und löst die Oberflächenspannung etwas auf. Ich habe auch schon günstigere Produkte probiert, aber mit diesem Medium komme ich am besten klar, weshalb ich davon immer mindesten 2 Pötte zu Hause habe.

Und hier kommen wir zum nächsten Profi-Tipp: „Vor dem Schütteln der Farbe, sollte man sich vergewissern, dass diese auch geschlossen ist!“ Das Ergebnis, wenn man diesen Rat nicht beherzigt, sieht man nun auf meiner Hose, dem Schreibtisch und dem Boden.

Erstmal das Chaos beseitigen und alles wegwischen, um im Anschluss gleich weiter weiter an ein paar Details wie Augen, Kabel, Knöpfe, usw. zu arbeiten. Nun konnte ich mich nun um das Metall kümmern. Ich nutze hier eine Nass-in-Nass-Technik mit Vallejo Metal Color Farben um eine dezente Aufhellung von erhabenen Stellen zu kreieren.

Beim Cadianer ging ich wieder ähnlich vor. Grundfarbe mit Wash und danach immer mehr Light-Brown, bzw. Bonewhite hinzufügen und aufhellen. Jetzt konnte ich alle Einzelmodelle mit Satin Varnish versiegeln.

Nun musste wieder alles trocknen und ich nutzte die Zeit um das Base zu vollenden. Die Bereiche aus Stein wurden nun mit Sand Brown von Vallejo trockengebürstet. Die gleiche Technik habe ich auch bei der Erde angewandt, nur dass hier Calthan Brown, gefolgt von Zamesi Desert und Terminatus Stone von Citadel zum Einsatz kamen. Im Anschluss wurde, dann es dann auch wie der Rest versiegelt.

Das Holz wurde mit Wash for Wood von AK Interactive behandelt. Dadurch bekommt es einen verwitterten Gesamteindruck. Im Anschluss wurde Varnished Wood und Wood Base zur Akzentuierung aufgetragen und um die Übergänge wieder etwas weicher zu machen, habe ich Wood Filter benutzt. Ein paar verschieden farbige Tufts wurden unregelmäßig auf der Base verteilt.

Nun ging es auf die Zielgerade zu. Nachdem der Lack der Miniaturen getrocknet war, konnte ich mich ans Blacklining wagen. Hierzu nutze ich meist den Panelliner von Tamiya, denn dieser läuft nur in die Vertiefungen und zieht sich genau an den Kanten der Details entlang.

Um dem Diorama noch einen Namen zu geben, habe ich aus einen dünnen Kupferblech eine Grundplatte zur Beschriftung geschnitten. Diese wurde an den Ecken umgebogen und mit ein paar Löchern versehen, denn es soll später wie eine verwitterte Schriftrolle aussehen. Leider habe ich hier vergessen ein Bild zu machen, aber bei einem früheren Projekt, habe ich diese Technik auch schon angewandt.

Nach einer weißen Grundierung wurde diese dann mit einem Mix aus Sepia Shade von Vallejo und Lahmia Medium in mehreren Schritten gewashed, so dass eine weiche Einfärbung vollzogen werden konnte. Nun noch die Schrift aufgemalt und im Anschluss ein paar „Rotznasen“ mit Streaking Grimes von AK Interactive gezogen. Zum zusätzlichen Schutz und um ein mattes Finish zu bekommen, besprühte ich alles noch mit Matt Varnish von Vallejo.

Das Ergebnis

Nach ca. 22 Stunden Arbeit ist dieses kleine Minidiorama damit fertig.

 

 

    

PS.:
Hier sind alle Farben die zum Einsatz auf einem Haufen 😉

Ich hoffe der kleine Mal- und Bastelbericht hat euch gefallen und ihr könnt euch ein ungefähres Bild davon machen, wie ich bei meiner Bemalung vorgehe. Leider habe ich voller Euphorie und Tatendrang hier und da vergessen Bilder der Zwischenschritte zu machen. Wenn ihre weitere Fragen habt, oder mehr Details wissen wollt, könnt ihr sie gerne hier posten oder per E-Mail an mich direkt schicken. Vielleicht möchtet ihr auch mal ein Tutorial zu einem bestimmten Thema haben? Lasst es mich wissen, gerne nehme ich auch euer Feedback auf.

Über Daniel "stix0r"

Seit 2000 im Hobby tätig. Angefangen habe ich mit Warhammer Fantasy und 40K. Neben Auftragsarbeiten male ich hauptsächlich für die Vitrine, aber spiele auch ganz gerne mal. Aktuelle Systeme: AvP, Dropfleet Commander, Frostgrave, Warhammer 40K aktuelle Projekte: Aliens für AvP, Death Guard, Deutsche für Bolt Action, Römer für Hail Caesar, Gelände und Monster für Frostgrave, Relic, diverse Großfiguren und Büsten

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16 Comments on “Projekt: Mega Waaaghboss”

  1. Echt tolle Arbeit. Ich kann mich den anderen nur anschließen.

    Jedoch muss ich den Soldaten etwas kritisieren. Ohne deinen Text, hätte ich nicht gewusst das er “wegläuft“.

    Wie auch immer, gelungene Umsetzung und schnelle Durchführung im Sauberen Bemalstiel. Die würde sich jeder in die Vitrinen stellen 😉

    Dein Kommentar zu den Metallfarben von Vallejo habe ich mal gespeichert und schaue sie mir mal an.

    Danke

  2. Richtig cooler Beitrag 🙂
    Die Mini ist cool modelliert, die Story ist klasse geschrieben und die Bemalung ist erste Sahne

    Bezüglich eurer neuen Seite gefallen mir folgende Dinge besonders:
    – Autorangabe (Finde es wichtig zu wissen, wer den Artikel geschrieben hat)
    – Vergrößerte Fotodarstellung beim Klicken auf die Fotos

  3. Ja, das ist ein sehr beeindruckendes Diorama geworden, Gratulation!
    Danke auch, Daniel, für den schönen Bericht (besonders für den Expertenratschlag von wegen „geschlossener Farbtiegel“ – sowas kann leider wirklich passieren, kann ich nur bestätigen) !
    Zwei Anmerkungen doch noch (bitte nicht mißzuverstehen) :
    – Der Soldat schaut tatsächlich nicht aus, als ob er davonläuft; ich hätte eher auf „der wird gleich eine böse Überraschung von achtern erleben“ getippt.
    – Der Hammer des Bosses scheint mir doch etwas übertrieben groß (oder der Hammerstiel zu lang).
    Aber sonst gibt’s da nix zu kritisieren, wahrlich nicht!

  4. Vielen Dank allerseits. Freut mich, dass euch der Beitrag gefällt. In Zukunft wird es noch mehr solche geben, ihr könnt also gespannt sein 😉

    Bezüglich es Imps: Beim Zusammenbau hat es irgendwie noch gepasst, aber bei der Bemalung kam mir dann der gleiche Gedanke. Naja.. so bekommt er einfach von hinten eins auf die Omme 🙂

  5. Von mir auf diesem ganz offiziellen Weg auch nochmal vielen vielen Dank Daniel aka MdK für die unfassbar coole Bemalung meines Waaaghbosses! So gut und vor allem schnell hätte ich das nie im Leben hinbekommen! Ich bin echt glücklich, dass der Kerl nach all den Jahren (von der Idee, über die Kneterei und schlussendlich der Bemalung) endlich fertig ist.
    Er ist auf jeden Fall das absolute Glanzstück meiner, nicht sonderlich kleinen, Tabletopsammlung!
    Danke Daniel!

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