Worte der Woche: unser Hobby – Motivation und soziale Events

Die Tactica ist vorbei – die nächste Messe, Con oder Treffen naht. Da wird es mal Zeit, über unser Hobby zu philosophieren. Was machen solche Treffen mit uns? Warum gehen wir auf solche sozialen Hobby-Veranstaltungen (oder Neusprech: Events)? Und was passiert mit uns auf und nach solchen Treffen?

Hallo, ich bin Christian – und ich habe ein Motivationsproblem.
Daher: Willkommen im Blog und zu den Worten der Woche!

Meine ganz persönliche Geschichte:

Wenn ich ehrlich bin: Ich halte mich für keine soziale Person. Ich bin ganz froh, wenn ich mal meine Ruhe haben kann. Und ich bin auch kein wirklicher Congänger. Und dennoch freue ich mich auf Veranstaltungen, die Teil meiner Hobbys sind. Ich schlafe bei Sturmwarnung in einem Wohnmobil, um auf der Spielemesse Demos zu geben, durch die Gänge zu streifen und Geld auszugeben. Ich gehe freiwillig mit 10 – 5000 Leute auf einen potentiell schlammigen Zeltplatz ohne viel Schatten, um mich mehrere Tage in seltsame Kostüme zu werfen.

Eine Erinnerung vom Juli 2018. Von meinem lieben Bekannten Hagen Hoppe https://hagenhoppe.com/

Aber vor allem schleppe ich mich aus Süddeutschland nach Hamburg, um mich in einem übervollen Bürgerhaus in Wilhelmsburg mit meinen Mitredakteuren zu treffen, Bilder zu machen und mich mit einem Haufen Tabletop-Enthusiasten durch die Räume zu schieben.
Und ich freue mich darauf. Weil man einen Haufen Leute trifft, die genauso oder noch viel irrer sind als man selbst.

Von der Tactica hatte ich über die alte Video-Show gehört, aber ich wäre nie auf die Idee gekommen, da hin zu gehen. Schon für mehr als zwei Stunden Fahrt für ein LARP-Con oder Tabletop-Turnier brauche ich wirklich gute Gründe. Und dennoch wollte ich 2017 unbedingt die Gelegenheit nutzen, den Rest der Redaktion zu treffen.
Nach anfänglicher Überforderung durch die Massen wurde ich mit tollen Tischen, einer überraschend geilen internen Aftershowparty und einigen Schnäppchen belohnt. Aber der Kern der Erfahrung waren die ganzen netten und enthusiastischen Menschen, die alle gemeinsam diesem Hobby, in all seinen sehr unterschiedlichen Facetten, nachgehen wollten. Diese positive soziale Energie ist für mich der Kern meiner Tacticaerfahrung und deswegen komme ich gerne jedes Jahr wieder.

Vor der Tactica war ich 2019 nicht zum Malen gekommen, hatte kaum etwas fest geplant und hatte generell wenig Motivation.
Kaum sind jedoch alle Redakteure wieder daheim, quillt unser Redaktions-Chat vor Nachrichten über, neue Aktions- und Artikelideen werden ausgetauscht, ich selbst habe etliche Hobbyideen und konkretisiere etliche private Projekte.

Veranstaltungen und Motivation

Nach meiner Erfahrung zieht man auf zweierlei Weise Motivation aus Hobbyveranstaltungen.
Die eine ist die Motivation und Inspiration als Besucher. Man sieht viel, man sieht Neues und man kann darüber reden. Nur so lässt sich der Kaufrausch auf Messen wirklich erklären. Aber gerade das Eindecken mit neuem Hobbymaterial, Begeisterung über Schnäppchen und die ganzen neuen Eindrücke schaffen Motivation. Motivation, sich mit den neuen Produkten auseinanderzusetzen, diese zu nutzen und eigene Projekte zu zu setzen. Wo sonst sieht man mal eine Platte und Armee, die in Nachtfarben gehalten ist?

Und nur so lässt sich der Motivationschub durch ein Teamtreffen und Testspiele in der Redaktion erklären. Irgendwie will jeder seine neuen Erfahrungen, gekauften Produkte oder gewonnenen Ideen in Inhalte umsetzen.

Nicht unterschätzen sollte man auch die soziale Komponente des Hobbys auf solchen Veranstaltungen. Man trifft Freunde, andere Irre und Enthusiasten, erhält vielleicht Anerkennung oder nützliches Feedback und teilt allgemein die Freunde am gemeinsamen Hobby in all seinen Facetten. Da ist oft unglaublich motivierend.

Die andere Motivation durch Veranstaltungen zieht man aber durch die Teilnahme an ihnen. Denn jeder, der schon kreativ oder projektbezogen gearbeitet hat, kann bestätigen: Abgabefristen beflügeln die Motivation – auch wenn sie so lustig zischen, wenn sie vorbei ziehen.
Ein fixer Endtermin kann Hobbyprojekte beflügeln. Die Demoplatte wird nicht nur extra für die Convention gebaut, nein, sie muss bis dahin auch fertig und hübsch sein. Zum nächsten Spieltreff will man endlich seine Einheit angemalt haben oder sein neuestes Vitrinenstück präsentieren. Außerdem nutzen wir solche Ereignisse zur Strukturierung unseres Hobbyalltages, um ein Ziel zu haben.

Demnach sind Hobbyveranstaltungen eine tolle Sache. Neulinge erhalten neue Inspirationen, Erfahrene finden viele Facetten gleichzeitig, und Ambitionierte können sich und ihr Hobby richtig in Szene setzen.

Ja, aber…

Natürlich gibt es auch Schattenseiten. Nur die besten, auffälligsten oder besonders misslungene Präsentationen generieren Aufmerksamkeit. Deshalb kann es sehr demotivierend sein, mit einer Projektpräsentation im Mittelmaß zu landen und noch nicht mal (konstruktive) Kritik zu erhalten. Auch können Showplatten falsche Maßstäbe für eigene Projekte liefern, so dass man erst gar nicht anfängt selbst was zu machen, wenn “andere dass doch so viel besser können, ich aber nicht”
Hier ist der Trick (als jemand, dessen Existenzgrundlage nicht darauf beruht, erfolgreiche Präsentationen für Produkte zu machen), sich nicht durch die Erwartungen anderer aufreiben zu lassen, sondern seinen eigenen Ansprüchen zu genügen – und sich im Zweifel einen feuchten Kehricht um Ansprüche der Anderen zu scheren. Ich weiß, ich werde nie einen Best-Painted für meine Freebooters Mannschaften gewinnen – und es ist mir egal! Mir  müssen meine Modelle gefallen!
Die größte Freud’ ist doch die Zufriedenheit!

Ein anderer Aspekt, der mein Nachhaltigkeitsherz traurig machen kann, ist, wenn ich erfahre, dass bestimmte Demoplatten oder ähnlich nur einmal für eine Convention verwendet werden. Transport hin oder her – ich glaube an die Ewigkeit und bis dass der Verschleiß uns scheidet.

Fazit

Es bleibt dabei – unsere sozialen Hobbyveranstaltungen sind was Tolles und deswegen gibt es sie. Nehmt an ihnen teil, trefft andere und genießt das Hobby. Das ist und bleibt motivierend. Motivierend, die Eindrück zu eigenen Projekten zu verarbeiten und auch motivierend, ein Projekt den Anderen zu zeigen.

Was motiviert euch auf Veranstaltungen zu gehen oder sogar etwas zu präsentieren? Oder wann ist es zu viel des Guten? Mit welchen Motivationen kommt ihr von Veranstaltungen zurück?

Wir freuen uns auf eure Kommentare!

 

Über Christian

Christian hat schon sehr lange, sehr ausführlich und sehr oft Beiträge auf Magabotato kommentiert bevor er zum Team dazu gestoßen ist. Als wir aufgerufen haben uns Gastartikel einzusenden tat er dies so oft und regelmäßig, dass wir ihn direkt ins Team holen mussten. Christian kümmert sich bei Magabotato um die Veröffentlichung von Blogartikeln und hat bis zu Reboot der Seite auch den Kontakt mit unseren Gastautoren gepflegt. Er ist für seine Hilfsbereitschaft und das Schreiben der Konferenzprotokolle beliebt und für seine “Klugkoterei” gefürchtet. Zu Christians liebsten Hobbytätigkeiten zählen: Geländebau, LARP, Turniere spielen (Freebooters Fate), Brettspiel und Rollenspiel. Aktive Tabletopsysteme sind: Freebooters Fate, Saga, Bolt Action, Dropzone Commander, bald wohl auf Dead Man’s Hand und Frostgrave

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3 Comments on “Worte der Woche: unser Hobby – Motivation und soziale Events”

  1. Motivation nach so einem Event wie die Tactica? Keine! Man fühlt sich eher wie der große Don Schnulze (die älteren werden sich erinnern, alle anderen müssen das nachschlagen) und möchte seinen Kopf auf die Malunterlage knallen unter großen Jammern und Wehklagen “Ich werde es niemals schaffen”. Weit fahren kann ich alleine schon aus Zeitplanungsgründen nicht. (Vater, verheiratet und selbstständig) Wenn die Hin- und Rückfahrt länger dauert als die Verweildauer auf dem Event, dann lohnt es einfach nicht. Große Menschenmassen sind eh… naja…. nicht meins.

    Aber keine Regel ohne Ausnahme. Bei mir ist es die Gamescom. Jetzt höre ich einige ausrufen “Gerade Gamescom ist doch so voll”. Ja, stimmt. Wenn man am Wochenende hinfährt. Wenn man aber in der Branche tätig ist und Businesstickets hat, dann ist man schon am ersten Tag da. Ohne (offiziellen) öffentlichen Besucheransturm.

    Ursprünglich bin ich 2018 das erste mal zur Tactica gekommen, um mal all die Gesichter hinter den Mikrofonen und Kameras zu… naja, nicht sehen. Eher so Hände schütteln. Oder beleidigen. Das hat aber dann 2019 nicht so gut geklappt. Nächstes mal.

    Langes Faseln, gar kein Punkt: guter Artikel, gerne mehr davon und ich geh mit meinem Kaffee jetzt in meinen Kundenkeller. Huzza.

  2. Unser Verein war Ende Februar auf der “Modell Leben” Erfurt und hat dort Displays und Vitrinen ausgestellt. Dazu noch Testspiele und Testmalen angeboten. Immer wieder schön zu sehen, dass unser Hobby auch in diesem größeren Kontext (Modellbau) sehr gut ankommt. Gerade im Geländebau-Sektor gab es viele Nachfragen über die verwendeten Materialien.

    Und man freut sich, wenn man wieder ein paar mehr Leuten beigebracht hat, welches Hobby sie noch nicht kannten. 🙂

    Ansonsten besuche ich immer die Crisis, da kann man immer ein paar schöne Impressionen mitnehmen. Aber bisher hab ich daraus noch nie Motivation für meine Projekte geschöpft, ist für mich eine völlig andere Schublade.

  3. Motivation. Riesiger Schub

    Gerade nach Veranstaltungen wie der Tactica erhöht sich meine Motivation maßgeblich,
    sei es neue Systeme zu testen (dieses Jahr Wolsung und Summoner), sowie auch Modelle endlich fertig zu stellen um Platz auf dem Tisch für die frisch gekauften Neuheiten zu machen.

    Die fantastischen Spieltische hingegen zeigen mir immer meine Limitation im Gelände und Plattenbau auf, hier muss ich leider auf Fremdhersteller ausweichen. Da bin ich immer schwer beeindruckt.

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