Tutorial: Trockene Erde

Hallo liebe Mit-Hobbyisten,
gerne möchte ich euch eine Methode zur Herstellung einer vertrockneten Flusslandschaft vorstellen.
Kurz zu mir und dem Hintergrund des Projekts:
Ich bin Daniel / blackmail82 und seit etwa 2003 im Hobby. Über Warhammer Fantasy, Blood Bowl und einer längeren Hobbypause kam ich etwa 2013/2014 durch eine Warhammer Fantasy-Kampagne wieder ins Hobby. Nach Abstechern zu anderen Herstellern über Godslayer, Dead Man’s Hand und andere Systemchen, bin ich schließlich bei Freebooter’s Fate gelandet und wollte hier eine im Bau befindliche Platte fertigstellen. Ein Schiffswrack war schon gebaut und so lag irgendwann die Idee nahe, auf der Platte ein ausgetrocknetes Flussbett darzustellen. Eine Arbeitskollegin, die im Aquarellmalen und Bildhauen zu Hause ist, gab mir eine selbst angerührte Paste zum experimentieren mit und siehe da, diese Paste hat für mich hervorragend funktioniert!
Zunächst bestellte ich mir also die benötigten Materialien aus dem Künstlerbedarf. Ich selbst habe bei kreativ.de geordert, quasi ein Unter-/ Partnershop von Gerstaecker – das aber nur exemplarisch, ich denke das Material wird überall von der Beschaffenheit her ähnlich ausfallen. Wichtigste Bestandteile für die Modelliermasse sind:
Acrylbinder (dicke, weiße Flüssigkeit)
Marmormehl
Das Mischverhältnis sollte etwa bei 2 Teilen Marmormehl auf 1 Teil Acrylbinder liegen. Ich habe mir also 1 Liter Acrylbinder und einen 5 kg-Eimer Marmormehl bestellt (war ein günstigeres Gebinde als 2 kg).
In einem geeigneten Mischbecher und mit Hilfe eines Spachtels werden die Komponenten dann verrührt. Mir war die Masse danach etwas zu fest, so dass ich sie mit etwas Wasser noch zu einer breiigeren Konsistenz verdünnt habe. In Tests stelle sich heraus: Das zusätzliche Wasser sorgt bei dünn aufgetragenen Stellen zu feineren Rissen. Dazu aber später mehr.
Die Masse habe ich dann mit einem Spachtel auf der Platte verteilt. Vorher habe ich die Platte noch grundiert, damit der Untergrund nicht zu viel Feuchtigkeit aufnimmt. Außerdem sorgt eine Grundierung für besseren Halt. In diesem Fall (bei der großen Platte, nicht dem Teststück) habe ich Teile mit Acryl aus der Tube verspachtelt (da ich noch welches übrig hatte), andere einfach nur mit einer Schicht Abtönfarbe. Dabei waren keine Unterschiede festzustellen. Untergrund war in meinem Fall Styropor, ich könnte mir vorstellen, dass gerade bei Sperrholz oder MDF als Basis der Untergrund zu stark saugen könnte, daher die Empfehlung zur Grundierung.
Die Masse habe ich von 1 bis 2 mm bis zu etwa 8 bis 10 mm dick aufgetragen. Bei diesem Teststück zur Mitte hin dicker; später, auf den Bildern der großen Platte, sieht man auch die verschiedenen Dicken. Prinzipiell kann man sagen: Je dicker aufgetragen, desto größere Risse entstehen. Auf dünn aufgetragenen Flächen (und hier besonders bei mit Wasser verdünnter Paste) entstehen feine Risse.
Bisheriger Arbeitsaufwand ist minimal. Man rührt sich einfach die Paste an, trägt sie mit einem Spachtel auf und fertig. Jetzt kommt ein weiterer wichtiger Aspekt neben dem Mischverhätnis: Die Trocknung. Wie man sich vorstellen kann, entstehen die Risse beim Trocknen der Masse. Und je schneller die Feuchtigkeit entweichen kann, desto eher und mehr Risse bilden sich. Jetzt hatte ich Glück und als ich mit dem Material gearbeitet habe, war es draußen sehr warm (35 °C) und die Sonne hat geknallt. Also: Ab in die Sonne damit! Ansonsten kann man auch im Winter gut mit einem Fön arbeiten oder stellt die bearbeiteten Objekte vor den Ofen, auf die Heizung usw.
Bereist nach zehn Minuten bildeten sich die ersten Risse:
Und nach einer halben Stunde in der prallen Sonne sah das Werkstück so aus:
Ich habe es dann doch noch insgesamt zwei Stunden stehen lassen, bis auch die dickeren Stellen trocken waren. Diese ließen sich vorher immer noch leicht eindrücken, das kommt sicherlich durch den Acrylbinderanteil in der Masse:
Farbe drauf, ein Wash dazu und dann sah das Ganze schon so aus:

Dies war auch nur ein Teststück für die eingangs erwähnte Spielplatte. Was ich aus meinen Tests noch als Tipps für später mitgenommen habe:

  • Die Masse vorher wirklich gut glattrühren, so dass man keine oder wenige Klümpchen Marmormehl darin hat.
  • Etwas Wasser schadet nicht. Es macht die Masse noch glatter.
Bei der großen Platte habe ich das Material in drei Schritten angerührt und aufgetragen und das war auch gut so, denn der erste Schwung des Materials fing beim Auftragen der dritten Portion bereits an zu trocknen und an den Rändern Risse zu bilden.
Wie viel habe ich in etwa angerührt? Ich würde schätzen etwa 150 ml Acrylbinder mit passender Menge Mehl. Ich bin dabei sehr pragmatisch vorgegangen, habe mit einem Esslöffel Marmormehl aus dem Eimer geholt und dann auch den Acrylbinder in Esslöffeln grob abgemessen. Ich würde vermuten, dass das genaue Mischverhältnis nicht 100 % ausschlaggebend ist für den Effekt. Zu viel Acrylbinder würde aber dazu führen, dass die Masse nicht gut reißt, da sie zu elastisch ist. Sollte sie einem also zu dick vorkommen, besser einen Schuss Wasser nehmen, statt mehr Acrylbinder.
So sah die Platte (zwei Module mit je 80 x 120 cm) nach dem Auftragen der Masse aus. Wie beschrieben, ich habe in der Dicke variiert und mal dicker, mal dünner gearbeitet, das macht die Struktur spannender. Zum Trocknen wieder ab in die Sonne!
Sehr früh begannen sich Risse zu bilden.
Am Abend nach dem Trocknen war die Rissbildung abgeschlossen.
Bemalt habe ich die Platte dann schlussendlich mit Abtönfarben. Farbverläufe und Ineinandermischen der Farben machen auch hier wieder die Oberfläche interessanter, als einfach nur eine Farbe zu verwenden. Nicht wundern: In der Platte sind noch Mulden (die dunklen Stellen), in die ich später noch durchsichtiges Harz, bzw. Wassereffekt einfüllen werde. Bei der Grundfarbe muss man schon gut darauf achten, dass die Farben auch gut in die Ritzen gemalt werden, sonst hat man hier anschließend weiße Blitzer.
Über diese Grundfarben habe ich in zwei Schichten drüber gebürstet…
…um sie dann mit einem selbstgerührten dunkelbraunen Wash aus Abtönfarbe zu überpinseln. Wie üblich sammelt sich dabei die Flüssigkeit in den Ritzen und Rissen, was hier dringend nötig war. Die Methode bietet sich also hier absolut an. Überschüssige Farbe auf der Oberfläche habe ich mit einem Handtuch abgetupft, damit die Fläche nicht zu dunkel wird.
Auch dies musste wieder einige Zeit gut durchtrocknen wegen der tiefen Risse. Abschließend habe ich dann wie zuvor noch mal in zwei Schichten über die Platte gebürstet. Die zweite Schicht nur noch dort, wo auch die Grundfarbe schon heller war.
Und so sieht die Platte dann nach der endgültigen Bemalung aus:
Ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden und auch die Handhabung war sehr simpel. Ich kann leider nicht sagen, ob diese Methode auch mit anderen Steinpulvern und Acrylbindern (Gummi Arabicum?) funktioniert, das wäre noch zu testen. Da die Methode aber für mich gut funktioniert hat, sehe ich hier keine Notwendigkeit für weitere Tests, es sei denn, es ergibt sich mal eine Gelegenheit.
Abschließend noch ein paar schnelle Fakten, alle bezogen auf die große Platte mit einer Fläche von etwa einem halben Quadratmeter:

Arbeitszeiten: Anrühren und Auftragen der Masse: 45 Minuten

Grundfarben mit Farbverläufen: 45 Minuten, da man mit dem Pinsel sorgfältig die Risse bearbeiten muss.
Bürsten plus Wash: ca. 1 Stunde, da man auch hier mit dem Pinsel sorgfältig die Risse bearbeiten muss.

Abschließendes Bürsten: 20-30 Minuten

Kosten für tatsächlich verwendetes Material:  ca. 500 ml Acrylbinder entsprechen 5 Euro,  ca. 1 kg Marmormehl entsprechen 3 Euro

Dazu noch die Abtönfarben, das variiert aber stark nach Hersteller und dem, was man eh noch im Haus hat. 😀

Zum Schluss möchte ich noch ergänzen, dass man sich die Masse wohl auch auf Vorrat anrühren könnte. Meine Kollegin hat mir damals ihre Reste überlassen, die sie schon ein paar Wochen fertig zu Hause gemischt stehen hatte. Man braucht aber logischerweise ein luftdichtes Behältnis zur Verwahrung. Meine Suche im Internet hat ergeben, dass die Preise für Acrylbinder bei etwa 10 Euro je Liter liegen. Bei Marmormehl hängt es stärker von der Gebindegröße ab. Ein Kilo kostet schnell auch 10 Euro mit Versand, der 5 kg-Eimer jedoch nur 15 Euro. Ich habe meine Bestellung bei kreativ.de dann noch mit Balsaholz und anderen Materialien kobiniert, um portofrei zu werden, das war für mich der praktischste und günstigste Weg.
Man kann natürlich auch deutlich kleiner als ich arbeiten. Dünn aufgetragen und verdünnt funktioniert die Paste auch z.B. gut auf einem Lippenbase, in dessen Mulde man die Paste (mit etwas Sauerei) schmieren kann. Ränder abwischen, trocknen lassen, fertig.
Ich hoffe die Beschreibung war verständlich und euch hat das kleine Tutorial gefallen! Denjenigen, die nach so einer Methode gesucht haben, wünsche ich viel Spaß und Erfolg beim Nachmachen!
Fragen könnt ihr gerne in den Kommentaren stellen oder mich im Magabotato-Discord anschreiben. Ich versuche zu helfen!
Und zu guter Letzt noch ein Dankeschön an Magabotato für das Bereitstellen der Plattform für dieses Tutorial. 🙂

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12 Comments on “Tutorial: Trockene Erde”

  1. Mahlzeit.

    Vielen Dank für diese Ausführliche Beschreibung.

    Wie würdest Du die Chance einschätzen, so man diese Herangehensweise für asphaltierte Flächen und Wege adaptiert? Dann vielleicht unter Hinzufügen von grauem oder schwarzen Pigmenten. Bspw. für Gaslands oder andere postapokalyptischen Spielflächen (oder reale deutsche Strassen)?

    1. Moin!
      Pigmente…sehr gute Idee, an die ich noch nicht gedacht hatte. Mit etwas schwarz, dürfte das ein schönes Asphalt-Grau geben. Bleibt die Frage wie es mit der Spannung aussieht und ob Pigmente die Rissbildungbeeinträchtigen, würde aber mal davon ausgehen, dass es funktioniert.

      Für Straßen sollte das auch kein Problem sein. Würde es für den Gaslands-Maßstab aber nicht zu dick auftragen und mir parallel noch eine normale, nicht reißende Spachtelmasse anrühren, die man dann ineinander übergehen lassen kann. Sonst ist alles voll mit Rissen und da kann dann auch keiner mehr Auto fahren. 😀

  2. Hey sieht richtig geil aus und man spart ne Menge Geld, danke für die Tips. Hast du mal probiert den untergrund vor dem auftragen der Masse dunkel zu grundieren? Könnte mir vorstellen, dass man sich dann etwas Arbeit erspart wenn die Risse schon dunkel sind.
    Werde dies auf jeden Fall beim Bau meines Geländes versuchen, danke nochmal!

    1. Moin!
      der Untergrund der großen Platte war mit Abtönfarben zum Großteil dunkler bemalt. Hat überhaupt nicts geholfen, das Weiß der Masse deckt das ab. Aber zwei Kommentare hier drüber kam der Vorschlag, Pigment mit einzurühren. Das könnte ich mir als Lösung dieses Problems sehr gut vorstellen!

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