Spiel 2019 – Fokus: Para Bellum Wargames Conquest

Schon seit der Spiel 2017 geht ja das Gespenst von Conquest durch die Szene, die in ihrer Meinung ziemlich geteilt ist. Da trifft ja auch auf unsere Redaktion zu, in der die Meinungen von ausgeprägter Skepsis (Sebbo/Hannes) über deutliche Enttäuschung über die Qualität der Starterbox (Daniel) bis hin zu einer merklichen Faszination (ich) reicht.

Ich empfehle euch dazu noch mal die Stammtische #94 (1:33:25-2:07:50), #97 (57:00-1:15:00) und vor allem Daniels Unboxing & Review der Starterbox.

Nun waren Para Bellum Wargames ja auch dieses Jahr wieder auf der Spiel und haben ordentlich geklotzt. Ihr Stand war einer der größten in Halle 6 (nach GW, minimal größer als Warcradle oder WizKids), ihre Dioramen fand ich persönlich ansprechender als jene von GW. Mit Army Painter hatten sie auch gleich einen Farbenhersteller im Boot, mit dem sie gemeinsam zeigten, wie man ihre Gussrahmen anmalen  kann. Para Bellum wollten alles richtig machen. Und dennoch zeigten sie einige Schnitzer. Ich unterhielt mich mit einem der deutschen Supporter vom Stand (mit dem Schrießheimer Hobbyclub auch ganz aus meiner Nähe).  Para Bellum hatten das Bedürfnis, auch die unbemalten Figuren zu zeigen. Das machten sie aber nicht in einer Vitrine oder auf einem Anschauungstisch, sondern direkt an einem Demotisch. Teilweise wurden die Miniaturen auch erst auf der Messe zusammengebaut. Einigen Alttabletopern fiel dies mehr negativ auf, als die ansonsten sehr ansehnlichen Demominis und die echt tollen Dioramen.
Auch bei ein paar Miniaturenentscheidungen gehen sie andere Wege als ihnen deutsche Szenekenner geraten haben, um Bausätze besser unterscheidbar und variierbar zu gestalten. Bei anderen Themen sind sie jedoch sehr offen für Feedback.

Am Sonntagmorgen wagte ich ein Demospiel mit den Dweghom gegen einen sichtlich geschafften Mitarbeiter mit authentisch zypriotisch-griechischem Englisch (dank Kollegen erkenne ich den Akzent inzwischen :D), in das auch schnell eine Neulingsgruppe als Mitspieler mit den Spires integriert wurde. Und ich hatte Spaß! Die Demo war professionell kompakt, wie sich das für eine Messe gehört.

Ja, Para Bellum will und wird das Rank&File nicht neu erfinden. Das Spiel funktioniert aber! Und gerade die Mechanik, dass man einen Aktivierungsstapel bildet und abwechselnd die Einheiten aktivieren darf, führt zu interessanten Entscheidungen und einer unerwarteten Spieltiefe. Die Dweghom spielten sich agiler und weniger stabil als erwartet, waren in dieser Demopartie aber auch absichtlich etwas im Vorteil. Umgekehrt hatte ich seit 2017 schon erfolgreich verdrängt, wie effektiv die Bogenschützen der Spires mit ihren drei Armen die Luft mit Pfeilen füllen können.

Manche stören sich an dem großen Maßstab, interessanterweise fanden das ein paar Neulinge, mit denen ich mich unterhielt, durchaus eher ansprechend. Auch durch die eher geringe Geländedichte ist der Aufwand für neues Gelände bzw. umfunktioniertes 28 mm-Gelände sehr überschaubar. Auch Microworks hat nun schon auf den neuen Markt reagiert. 35 mm hat auch bei Warmachine funktioniert und spricht auch eher ein Segment von neuen Spielern an, die sich an den griffigen Miniaturen und der leichten Comic-Optik begeistern können.

Daher wage ich eine These: Para Bellum will und wird nicht die Herzen der alten Warhammer-Fantasy-Spieler oder der historischen Spieler erobern. Para Bellum zielt auch nicht in das Herz der deutschen Community oder der modellbauaffinen Hobbyisten. Para Bellum will primär Spieler ansprechen und auch für neue Spieler interessant sein.  Ob sie aktuell noch von ihrem Investorengeld leben oder schon ausreichenden Absatz in den USA aufbauen konnten, weiß ich nicht. Gerade Systeme wie Warmachine/Hordes oder Malifaux zeigen, dass der amerikanische Markt anders tickt als der europäische oder speziell der deutsche.
Gerade der eigentlich konservative Rollenspielsektor hat gezeigt, dass neue Herausgeber und Marketingkanäle ganz neue Zielgruppen erschließen können, umgekehrt aber auch, dass selbst etablierte Spielehersteller wie FFG in ihrer Hybris an der alten Tabletopgemeinde scheitern können.

Wird Para Bellums Conquest mich als Spieler überzeugen? Ich weiß es nicht, da ich noch keine Miniaturen mit eigener Hand gebaut habe. Viele der geäußerten Kritikpunkte (Gussqualität, Variablität, etc) sind valide, aber müssen in ihrer persönlichen Gewichtung von jedem selbst bewertet werden.

Fest steht: Ihr Auftritt auf der Spiel 2019 unterstützt ihren Anspruch, gekommen zu sein, um zu bleiben. Wir werden sehen, wie lange. Und ob sie auf geäußerte Kritik eingehen und sich selbst eine Nische im fragmentierten Markt erkämpfen können.

Was haltet ihr von Para Bellum, ihrem Spiel Conquest, ihren Modellen und ihrem Auftreten?
Wir freuen uns auf die Diskussion in den Kommentaren.

Über Christian

Christian begann als Gastautor, der auch regelmäßig und ausführlich unsere Beiträge kommentiert hat. Auch wenn seine "Klugkoterei" gefürchtet ist, mussten wir ihn wegen seines Schwerpunkts auf dem Blog damals ins Team holen. Christians liebsten Hobbytätigkeiten zählen: Geländebau, LARP, Turniere spielen (Freebooters Fate), Brettspiel und Rollenspiel. Aktive Tabletopsysteme sind: Freebooters Fate, Saga, Bolt Action, Dropzone Commander, bald wohl auf Dead Man’s Hand und Frostgrave

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3 Comments on “Spiel 2019 – Fokus: Para Bellum Wargames Conquest”

  1. Mangelnde Variabilität stört mich jetzt nicht so. Sowas kann isch über die Zeit auch noch ändern.
    Gussqualität ist aber ein großer Faktor bei mir. Gerade wenn die Details schlecht rauskommen wird auch eine schnelle Bemalung extrem erschwert. Das finde ich sehr negativ.

    1. Gute Frage, da dies bei mir für Rank&File auch ein Kriterium sein kann.

      Ja – aber….

      …es ist in bisschen so wie bei RuneWars, da die Modelle in fertigen TrayBases stehen. Es geht darum wann ein Base leer ist. Aber ja, einzelne Modelle werden entfernt, wobei die größte Einheit bisher die Spire Force Grown Drones sind, die normalerweise im 4x3x1-2 im 12-24 Block stehen.
      12er Einheiten sind eher typisch.

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