Tabletop und Schach

Disclaimer: Ich bin ein mieser Schachspieler. Ich spiele kein Vereinsschach und habe keine ELO-Wertung. Aber ich bin mir dessen voll bewusst, bin sehr von Schach fasziniert und verstehe auch mehr, als nur wie man die Figuren zieht. Und ja, die erste Version dieses Artikels wurde von „The Queen’s Gambit“ ausgelöst und wegen der Schach WM 2021 holte ich ihn wieder hervor. Außerdem fängt meine ältere Tochter nun an auf dem Tablet wieder Schach zu spielen. Während ich diesen Artikel überarbeitete, gab es auch einen Freebooter’s Fate-Kickstarter im Schach-Kontext.

Nur dass es keine Missverständnisse gibt. Ich kann nicht (gut) Schach spielen!

Über die Unvereinbarkeit zweier Welten?

Es ist eine Frage des Blickwinkels ob Schach und das Tabletop große Gemeinsamkeiten oder eher große Unterschiede aufweisen.

Beide kommen ja aus der spielerischen Konfliktsimulation. Schachfiguren sollen Einheiten in der Schlacht mit unterschiedlichen Aufgaben und Beweglichkeit darstellen. Das musste möglichst einfach heruntergebrochen werden und wurde auf ein fixes Spielbrett transportiert. Und aus dieser Schlacht-Simulation wurde dann ein Spiel, das im Zuge seiner eigenen „Gamifikation“ weiter heruntergebrochen und verschlankt wurde.

Man kann Schach also als Tabletop sehen, welches seine „Simulation“ zugunsten des „Gamings“ völlig zurückschraubte. Eine Erfolgsgeschichte, wenn man sich Profi-Großmeister, Turniergeschehen, Preisgelder, technologische Entwicklung von Schach-KIs und 90.000 Mitglieder alleine im Deutschen Schachbund anschaut.

 

Figurendesign und Material – welches Pferd darf es sein?

 

Und doch sind in diesem Spiel immer noch Elemente des Tabletop-Hobbys, über das reine Spiel hinaus, zu finden. Es ist eben nicht egal, mit welchen Figuren auf welchem Brett man spielt. Materialfragen (Metall oder Hartplastik? Holz oder Stein?) sind hier ebenso zu finden, wie das Design und die Auswahl der Miniaturen. Auch wenn es „Standard“-Designs gibt, die nur variiert werden, stellen doch viele Hersteller und Nutzer ganz eigene Miniaturendesigns dafür zusammen.

Aber das Schach und die intensive Beschäftigung mit dem Spiel, seiner Kultur und Strategie befruchten das Tabletop-Hobby.
Da sind Etikette-Fragen, wie Begrüßung, Handschlag und Spiel-Aufgabe, Konzepte wie „Berührt-Geführt!“ welche Präzision fördern. Auch Tabletop-Turniere klauen massiv beim etablierten Schach. Schweizer System zur Spielerpaarung: erfunden für Schach. Die Deathclock für straffe Spiele und Zeitnot: eine Schachuhr. Manche Clubs oder Systeme führten sogar ELO-Rankings ein, um die „Spielstärke“ abbilden zu können. Und immer wenn Sesselstrategen solche Begriffe wie „Tempovorteil, Materialgewinn/Abnutzung, Positionsvorteil und Stellungsspiel“ verwenden, greifen wir auf Schachbegriffe zurück.

Die italienische Partie – gut für Einsteiger zum lernen!

Können wir voneinander lernen?

Das ist eine ungleiche Frage, schon wenn wir uns anschauen wie Spieltiefe, Geldumsatz und Kundenzahlen bei Schach in einer ganz andere Größenordnung spielen. Aber ja, wenn es um mehr als „nur“ das nackte Spiel geht, kann physisches Schach immer noch vom Tabletop-Hobby befruchtet werden.
Umgekehrt klauen wir Tabletopper ungeniert beim Schach. Vieles aus dem Schachumfeld kann vertiefend für unser Verständnis von Spiel und Communityorganisation wirken.

Gerade allgemeine Strategien sind nicht nur im Spiel nützlich. Am Ende gilt aber immer noch: Wer gut im Schach spielen sein will, muss Schach spielen. Wer Spaß am Tabletop haben will, sollte Tabletop-Hobby betreiben. Ich habe aber aus Schach manches für das Spielen gelernt.Und sei es nur meine Partien auf zu schreiben, nachzuvollziehen und zu analysieren

Was haltet ihr von Schach und wie viel Abstand vom Brett haltet ihr genau? Oder seid ihr selbst jeden verdammten Sonntag dabei euren Verein vor dem Abstieg zu retten? Schreibt uns eure Gedanken in die Kommentare!

Über Christian

Christian begann als Gastautor und bissiger Kommentator, wurde dann Redakteur im Blog und gehört inzwischen zu den "Großen Alten" Trotzdem ist es immer noch für sein zu schnelles Reden bekannt und für seine Klugkoterei berüchtigt. Obwohl er kein Historischer Wargamer ist, ist er einer der beiden "HistoSpacken" der Redaktion. Sein Fokus im Hobby liegt auf Freebooter's Fate, Geländebau (aktuell gerade 1:1 Maßstab) und Hobbyphilosophischem. Ganz allgemein spielt er lieber Skirmischer als Rank&File-Massensysteme

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