Trading Cards in Deutschland – ein Hobby im Rückwärtsgang?

Wenn ich mich in Deutschland umschaue, dann bleibt für mich immer derselbe Eindruck: Es gibt viel zu wenige Orte, an denen man Trading Card Games wirklich erleben kann. In Großstädten wie Berlin, Hamburg oder München stoße ich vielleicht auf ein, zwei Läden – aber selten auf die Vielfalt, die man in anderen europäischen Ländern findet.

Auf meinen Reisen durch Europa habe ich mir angewöhnt, in jeder Stadt nach Local Game Stores Ausschau zu halten. Und egal ob in Dänemark, Holland, England, Frankreich, Italien, Spanien, Kroatien, Österreich, Schweden, Norwegen oder Belgien – überall habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Dichte und Präsenz dieser Läden spürbar höher ist. Meine Google-Maps-Karte ist mittlerweile voller gespeicherter Punkte, weil ich mir jeden Store notiere, den ich besucht habe.

Ein Beispiel: In Gouda in Holland, einer kleinen Stadt, findet man einen Trading-Card-Laden, der fest in die lokale Community eingebunden ist. In Ravenna in Italien bin ich in einem Store gelandet, dessen Spielfläche doppelt so groß war wie die des Ladens in München. Solche Erlebnisse irritieren mich, weil sie zeigen: Dort, wo „Nerdkultur“ sichtbarer und akzeptierter ist, entstehen größere Räume – selbst in kleinen Städten.

Persönliche Eindrücke statt Statistiken

Eine objektive Zahlensammlung über die Anzahl von Läden pro Land? Fehlanzeige. Online-Recherchen liefern widersprüchliche oder schlicht unrealistische Angaben. Doch es gibt etwas viel Zuverlässigeres: die Beobachtungen von Spielerinnen und Spielern.

Wer Apps der Spielehersteller nutzt – etwa für Magic, Flesh and Blood oder Disney Lorcana – erkennt sofort, dass die Laden-Dichte in vielen europäischen Ländern spürbar größer ist. Scrollt man durch diese Listen, fällt auf, dass in Deutschland häufig nur punktuelle Hotspots existieren, während in anderen Ländern auch kleine Städte auf der Landkarte auftauchen.

Hier mal der Vergleich. Die Dichte an Läden in ganz Deutschland die Altered anbieten und dann die Anzahl der Läden in ganz Holland die Altered anbieten. Wir vergleichen an der Stelle lieber nicht Anzahl Einwohner und Gesamtfläche der jeweiligen Länder.

Engagement und Grenzen in Deutschland

Ich selbst habe versucht, meinen Teil beizutragen, um das Hobby hier voranzubringen:

  • Einen Verein gegründet, um Magic im Jugendzentrum spielbar zu machen.
  • Mit der lokalen Bücherei zusammengearbeitet, um Spieleabende zu organisieren.
  • Einen Podcast gestartet, um Themen rund ums Hobby sichtbarer zu machen.

Das alles hat Wirkung gezeigt – aber oft bleibt es lokal begrenzt und fragil. Manchmal fehlt in der Community selbst die Bereitschaft, über ein Spiel hinauszuschauen. Vielleicht liegt es am Geld, vielleicht am Fokus auf ein einziges Lieblingsspiel – doch neue Titel wie Flesh and Blood, Star Wars Unlimited oder Altered haben es dadurch besonders schwer, hier Fuß zu fassen.

Der Kreislauf des Mangels

Deutschland steckt für mich in einem Kreislauf:

  • Wenige Läden → wenig Sichtbarkeit → kleine Communities → noch weniger Läden.

In Ländern wie Spanien, Italien oder den Nordics ist dieses Muster durchbrochen: Dort, wo es schon mehr Läden gibt, wächst automatisch auch die Nachfrage, entstehen mehr Events und damit stärkere Communities. In Deutschland bleibt das Hobby dagegen oft unsichtbar – und was unsichtbar ist, entfaltet auch keine Anziehungskraft.

Fazit: Hoffnung auf Aufbruch

Meine Reisen haben mir gezeigt: Das Potenzial ist da. Überall in Europa entstehen lebendige Communities – nicht nur in Metropolen, sondern auch in Kleinstädten. Deutschland wirkt dagegen gebremst, fast so, als sei „Nerdsein“ noch nicht richtig akzeptiert.

Doch genau deshalb schreibe ich diesen Beitrag: um klarzumachen, dass es nicht an den Spielen liegt. Es liegt am fehlenden Raum, an den fehlenden Treffpunkten und an einer Kultur, die Hobbys wie Trading Card Games noch nicht selbstverständlich in der Mitte verankert hat.

Ich hoffe, dass wir diesen Kreislauf irgendwann durchbrechen – durch mehr Community-Initiativen, mehr Begegnungsräume und mehr Mut, auch in Deutschland dieses Hobby sichtbar zu machen.

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4 Comments on “Trading Cards in Deutschland – ein Hobby im Rückwärtsgang?”

  1. Danke für den Beitrag, leider ist das nicht nur ein Problem Trading Cards Community. Auch auf der Tabletopkarte gibt es eine Menge weiße Flecken auf der Karte. Manchmal gibt in der Region einen Verein, aber diesen als Einsteiger/Neuling zu finden ist nicht so einfach.

    Ich denke, wir brauchen irgendwas, um die Sichtbarkeit der Spieler, Vereine und Läden der jeweiligen Community zu verbessern.
    Ja ich weiß, es gibt die Brückenkopf-Karte, die ist aber nicht gut zu finden und veraltet.

  2. Ein Aspekt in dem ganzen, der immer wieder gerne übersehen wird: Um in einem Laden Events machen zu können, brauchst du Fläche. Fläche kostet Geld. Bei uns in der City gibt es, soweit ich weiß, drei Läden, die mal als „Gaming Läden“ bezeichnen könnte, die auch in TCG machen. Nur einer von denen hat auch nur im Ansatz die Fläche um Events laufen zu lassen. Und wenn keine Events sind, dann ist die Fläche totes Kapital. In anderen Ländern scheint die Miete geringer zu sein, denn zB in den USA haben viele Läden scheinbar Fläche zum Zocken. Der nächste Laden von mir aus gemessen ist 50km Richtung Osten in Bremen (Gruß an Tom) beim Highlander. Und die vermieten die Fläche extra, weil sie baulich getrennt vom Laden ist, auch an Turnierspieler und können wohl dadurch die Kosten deckeln. Günstige Ladenmieten bekommst du nur außerhalb von den Innenstädten und dann wird es schon wieder schwer ein vernünftiges Alltagsgeschäft zu etablieren. Und ohne das macht so ein Laden eben fix wieder zu, Und selbst wenn sie bestehen, dann sind sie aber eben nicht in der City und damit wieder „unsichtbar“ außer für die, die gezielt suchen.

  3. Ja, Moin.
    TCG werden aus meiner persönlichen Erfahrungen leider eher in Richtung Powerplay (Pay to win) gespielt. Im Ausland DK und swe habe ich es eher als nettes beisammen wahrgenommen. Auch waren die von mit besuchten Läden im Ausland mit einem anderen Konzept am Start. Verkauf mit den von uns geliebten Dingen von A-Z und eine Art Bistro wo locker gespielt werden kann. nicht gewinnen um jeden Preis… aber das sind nur meine 5cent

  4. vielleicht muss man das Hobby auch mehr abseits von läden angehen.
    ich geb für meine Hauptsysteme relativ viele Demos. dazu geh ich auch überall hin: Animeveranstallungen , Uni Gruppen, brettspielrunden, tolkintage, gibt’s dort ein Tisch, geb ich eine Demo. hätte ich bisher nur im Hobbyladen Demos gegeben wäre ich bei weitem nicht so erfolgreich. die Leute die in so ein Laden gehen sind schon hobbyisten , und selbst von den erreicht man nur wenige, weil die meisten hobbyisten online kaufen.
    und der 2. kritische Fehler den ich immer wieder sehe: es wird beim Demos geben nur soweit gedacht bis sich derjenige eine grundbox kauft. auf bemalen , basteln, Communitygelöt, diverse Anlaufpunkte wird kaum eingegangen. klar findet man viel Hilfe im netzt, aber viele wissen schon nicht wo nach man sich muss. oder haben schlicht kein boch darauf sich mit z.b. Farben auseinander zu setzen , wenn man “ nur “ ein Spiel spielen will

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