Perfekte Card Proxies selbst herstellen – ein Tutorial
Wenn man viele Kartenspiele spielt, und dabei ist es egal ob Magic, Pokemon, Arkham Horror oder ähnliche Spiele, wird man irgendwann an den Punkt kommen, an dem man Proxies braucht. Card Proxies sind inoffizielle Ersatzkarten, die die Funktion einer echten Karte übernehmen, aber nur als Platzhalter oder Testversion dienen. Heute möchte ich euch zeigen wie ich bisher meine Proxies hergestellt habe, und wie ich sie zukünftig herstellen werde.
Wieso Proxies?
Viele kennen die Situation: Man möchte ein neues Deck ausprobieren oder nur schnell eine einzelne Karte austauschen – doch ausgerechnet diese fehlt noch in der eigenen Sammlung. Bevor man jedoch unzählige Booster öffnet oder viel Geld für einen Einzelkauf ausgibt, möchte man erst einmal herausfinden, ob die Idee überhaupt funktioniert. Passt die Karte wirklich ins Deck? Geht die geplante Strategie auf?
Genau hier kommen Proxies ins Spiel. Sie erlauben es, Karten unkompliziert zu ersetzen, neue Konzepte risikofrei zu testen und Decks flexibel anzupassen. Statt sofort Geld zu investieren, kann man direkt loslegen, ausprobieren, optimieren – und erst danach entscheiden, ob sich die Anschaffung des Originals wirklich lohnt.
Darüber hinaus sind Proxies auch ideal für Print-&-Play-Spiele oder selbst erstellte Inhalte: Eigene Karten, Erweiterungen oder komplette Spiele lassen sich schnell und kostengünstig produzieren.
Proxies sind damit ein praktisches Werkzeug für alle, die gerne experimentieren, Decks feinjustieren oder einfach flexibel bleiben möchten.
Wie ich bisher Proxies hergestellt habe
Bisher habe ich meine Proxies über einen Online-Druckservice auf 300-g-Papier drucken lassen. Dabei habe ich das klassische 3×3-Layout mit neun Karten pro Seite verwendet, um den Platz möglichst effizient auszunutzen und die Druckkosten gering zu halten.
Nach dem Druck habe ich die A4-Bögen laminiert, um den Karten mehr Stabilität und Haltbarkeit zu geben. Anschließend wurden sie mit einem Hebelschneider zugeschnitten. Zum Abschluss habe ich die Karten noch mit einem Eckenstanzer abgerundet. Dieser kleine Schritt macht überraschend viel aus: Die Karten fühlen sich deutlich wertiger an, lassen sich besser mischen und kommen dem Look echter Spielkarten spürbar näher.
Das Ergebnis war solide: keine perfekten Karten, meist aber ausreichend zum spielen und testen. Leider war dieser gesamte Prozess jedes Mal ziemlich zeitaufwendig. Vor allem das Zuschneiden konnte sich endlos ziehen – besonders dann, wenn man möglichst präzise arbeiten wollte. Trotz
aller Sorgfalt habe ich mich regelmäßig verschnitten, was dazu führte, dass manche Karten zu klein und andere wiederum zu groß waren.
Hinzu kommt, dass sich mit einem Hebelschneider nur begrenzt exakt arbeiten lässt. Die Schnittkanten wurden oft leicht ausgefranst oder wirkten unsauber, was zu einem unschönen Gesamtbild führte. Für einfache Testkarten war das zwar noch akzeptabel, wirklich zufriedenstellend fühlte sich das Ergebnis aber nie an.
Wie ich zukünftig Proxies erstellen werde
Nun habe ich mich online ein wenig umgesehen und nach Möglichkeiten gesucht, meine Proxies schneller und effizienter herzustellen. Nach kurzer Recherche bin ich schließlich auf ein Tutorial von Alan Cha gestoßen. Hinweis: Alle folgenden Bilder und Informationen stammen von Alan´s Tutorial, welches ihr hier finden könnt: alan-cha.github.io/silhouette-card-maker
In einem YouTube-Video zeigt Alan, wie er mühelos ein komplettes Commander-Deck in gerade einmal 26 Minuten produziert – und nebenbei sogar noch entspannt ein Buch liest.
Das Zauberwort lautet: Plotter.
Diese kleinen Wundermaschinen sind erstaunlich vielseitig. Sie können nicht nur Papier und Pappe schneiden, sondern auch Kunststoff, verschiedene Stoffe und sogar dünnes Leder. Statt mühsam von Hand zu arbeiten, lädt man einfach ein Schnittmuster in die passende Software – und der Plotter übernimmt den Rest vollautomatisch. Für die Herstellung von Karten-Proxies ist das natürlich nahezu perfekt.
Der Workflow unterscheidet sich dabei gar nicht so stark von meiner bisherigen Methode. Zuerst werden die gewünschten Karten – entweder über einen Webbrowser oder per Python-Skript – automatisch auf einem DIN-A4-Bogen angeordnet.
Statt neun Karten passen diesmal allerdings nur acht auf eine Seite. Der Grund ist simpel: Der Plotter benötigt etwas Abstand zwischen den einzelnen Motiven, damit er sauber und präzise schneiden kann. Zusätzlich enthält der Ausdruck spezielle Registrierungsmarken, an denen sich die Maschine orientiert, um die Schnittlinien exakt zu treffen.
Anschließend kann man entscheiden, ob man die Karten laminieren möchte oder nicht. Dieser Schritt ist optional, denn der Plotter kommt auch mit dickerem oder laminiertem Material gut zurecht. Man muss lediglich ein wenig mit Klingendruck und Schneidegeschwindigkeit experimentieren, bis die Einstellungen perfekt passen.
Der Rest läuft automatisch: Blatt einlegen, Start drücken und zusehen, wie die Maschine die Karten präzise schneidet. Keine ausgefransten Ecken, keine Abweichungen in der Kartengröße, keine
unsauberen Schnitte. Jede Karte hat exakt die gleiche Größe und sieht echten Karten zum Verwechseln ähnlich.
Fazit
Ich selbst habe dieses Verfahren bisher noch nicht ausprobiert. Mein Plotter ist jedoch bereits bestellt und befindet sich zum Zeitpunkt, an dem ich diesen Beitrag schreibe, auf dem Weg zu mir. Ich werde es daher sehr bald testen und meine Erfahrungen hier teilen.
Wenn euch dieses Thema interessiert, schreibt gerne eure Fragen oder Anregungen in die Kommentare. Ich bin auch gespannt auf eure eigenen Erfahrungen mit dem Schneiden von Karten!
Hier ist zudem noch einmal der Link zu Alan’s Tutorial: alan-cha.github.io/silhouette-card-maker/Dort findet ihr eine detaillierte Anleitung, wie ihr das Schnittmuster einrichtet, welche Komponenten er verwendet und viele weitere nützliche Informationen. Außerdem gibt es einen Link zum Discord, auf dem sich zahlreiche Bastler über ihre Erfahrungen austauschen.
Beste Grüße,
Eure Christian










Welche Ressourcen stehen als Vorlage denn zur Verfügung oder woher kommen die Vorlagen für die Drucke?
Hi Christian. Meinst du mit „Ressourcen“ die Schnittmuster? Davon gibt es eigentlich alle gängigen Formate für Pokerkarten, bzw. Magic Karten, Tarotkarten, American Mini Cards (Pokerhalf) und viele andere. Auf dem Discord Server tummeln sich außerdem viele fleißige und hilfsbereite Menschen die bei jedem Problem sehr schnell helfen. Suchst du nach einer speziellen Vorlage?
Als meiner alten Magic-Zeit vor …beinah 30 Jahren.. stand ich Proxies skeptisch gegenüber, vor allem wenn andere einen meiner neuen seltenen Karten vier Mal kopierten, in ihr Deck packten und mich damit vermöbelten…
Ansonsten … so langsam brauche ich wohl einen anderen Namen! Oder muss andere Namen editieren…
Ich bin hier der einzige wahre Christian von Magabotato!
Ein Tutorial für etwas zu schreiben, dass Du selbst noch nicht ausprobiert hast ist vielleicht etwas verfrüht. Klingt aber cool
Bin gespannt auf Deine Ergebnisse.
Da mag etwas dran sein. Da hat mich wohl die Euphorie gepackt. Inzwischen ist der Plotter aber bei mir angekommen, und ich hab schon ordentlich Karten produziert. Ich kann also berichten, dass der Prozess einwandfrei und wunderbar funktioniert. Bei Interesse werde ich gerne eine Folgeartikel dazu schreiben.
Ich finde auch spannend zu erfahren, wie du die Karten Designs, die du druckst… wobei vielleicht die eine oder andere juristische Grenze berücksichtigt werden muss (?).
ich werde den Folgeartikel dazu im April veröffentlichen. und dabei auch auf das designen der Karten eingehen. Rechtlich sollte es keine Probleme geben, solange die Proxies privat verwendet werden.
Bitte den Folgeartikel schreiben. mich würden die Ergebnisse so wie die genauen Produkte interessieren. vielen Dank.
Der Folgeartikel dazu kommt im April. Freut mich dass er Interesse geweckt hat!