Moin Moin!
Durch Zufall bin ich vor einiger Zeit über einen Kickstarter gestolpert zum Thema Modern Warfare und hieß FIRE!. Gesehen, für interessant befunden und wieder vergessen…
Durch Zufall kam das Thema in meiner Spielgruppe wieder auf: „Die haben jetzt auch einen Web-Shop.“ Oh cool, geguckt und etwas gebummelt. Ach komm, einfach mal angefragt und nach einem sehr netten Schriftverkehr habe ich dieses Regelwerk als Review Material erhalten.
Also willkommen zu: FIRE! – Modern Combat!
Harte Fakten:
Buch: DIN A5+ Hardcover
Hersteller: SEN Games
Autor: Ricardo Ponz und Aleix Gordo Hostau
Seitenzahl: 140
Preis: 27,95€
Sprache: Deutsch
Benötigte Spiel-Materialien:
W10
Diverse Token oder ähnliches als Befehlsmarker, Stress etc.
9-12 Miniaturen je nach Fraktion und Aufstellung pro Spieler
Messzeugs (das Übliche eben)
Spielfeld mit 120cmx120cm Kantenlänge und passendes Terrain + Scatter
Die Aufmachung:
Das Hardcover Buch kommt in einer sehr guten Qualität daher. Sowohl innen, als auch außen. Das Cover hat Glanzeffekte um Schriften und Highlights hervor zu heben. Das Innenleben strotzt nur vor Bildern, Erklärungen und Hinweisen. Der viele Text ist aber gut gesetzt und durch Absätze aufgelockert und gut lesbar.
Ein detailliertes Inhaltsverzeichnis eröffnet dieses Druckwerk und abgeschlossen wird das Ganze von den üblichen Schnellreferenzen. Hinzu kommen noch Waffentabellen, ein Team-Sheet und die benötigten Marker zum Kopieren.
Die Regeln:
Die Regeln umfassen alleine 54 Seiten nur für die Grundregeln und nochmal 15 Seiten erweiterte Regeln für spezielle Ausrüstung und Fahrzeuge (Man kann sogar Gegner mit dem Fahrzeug überfahren).
Grundsätzlich gibt es auch hier die üblichen Themen: Initiative, Bewegung, Schießen und Nahkampf. Hinzu kommen noch Commandpunkte (CP), Moralerklärungen und Unterstützungswaffen wie Mörser etc.
Jeder Spieler generiert mit seinen Soldaten CP. Diese kann er für unterschiedliche Befehle und Reaktionen ausgeben, die alle unterschiedlich viel kosten. Dazu gibt es dann eine ausführliche Erklärung, wie viel was an CPs kostet. Hierbei ist noch ein gewisser Befehlsradius zu beachten. Je weiter weg, desto teurer. Frei nach dem Prinzip: Never split the Party (too much).
Als Ausgangsbewegungsreichweite startet fast jeder bei 20cm. Dann werden immer etwas abgezogen, wenn man sich durch Gebäude bewegt, über Scatter oder generell klettert etc. Da kommt man teilweise gar nicht mehr sooo weit.
Das benötigte Waffenprofil für Schussattacken baut sich logisch aus Name, Reichweite, Schusszahl und Schadenswerten zusammen. Schlauerweise, können Waffen mit mehreren Schüssen auch mehrere Ziele in einem gewissen Radius mittreffen, wobei das anvisierte Ziel den Hauptschaden erhält.
Nahkampf kann beiden Parteien Schaden verursachen, auch dem Angreifer. Nahkampf wird auch durch Zweitwaffen, wie Pistole oder Kampmesser positiv beeinflusst. Also je nachdem, auf welcher Seite der Waffe man steht.
Grundsätzlich gilt bei allen Würfel würfen: Tief ist gut.
Hervorzuheben wäre noch die Initiative-Leiste. Die reicht von den Zahlen 1-10 und wird mittig an den Rand des Spielfeldes gelegt. Der Marker wird immer ZWISCHEN die einzelnen Werte gelegt. Durch das Verschieben, wird es für denjenigen, der bereits die Initiative hatte schwieriger, diese erneut zu erhalten, da er den Wert über-/unterwerfen muss. Bsp.: Steht der Marker zwischen 7 und 8 muss der Spieler, in dessen Richtung die 10 zeigt, mind. eine 8 Würfeln, um erneut die Initiative zu erhalten.
Grober Rundenablauf: Jeder Spieler beginnt mit einem Kontingent an Kommandopunkten. Nach dem Initiativewurf sagt Spieler 1 einen Befehl an, darauf reagiert Spieler 2. Auch Spieler 1 kann darauf reagieren. Dass geht solange hin und her, bis alle Minis aktiviert sind, oder keine Kommandopunkte mehr da sind. Dann wird die Szene von Anfang an aufgelöst mit Bewegung, Fernkampf, Nahkampf etc.
Absolut Hilfreich sind die Videos, die per QR-Code direkt aus den Regeln erreicht werden können. Die Videos zeigen genau die Begebenheiten aus dem Regelbuch. Super gemacht! Hier der LINK für die Playlist, dann könnt ihr euch selber einen Überblick verschaffen.
Die Szenarien:
Im Buch findet ihr 7 vorgefertigte Szenarien. Online gibt es mehr und SENGames nehmen auch gerne Vorschläge von euch entgegen.
Die vorhandenen Szenarien basieren alle auf realen Einsätzen und/oder Ereignissen. Sei es beispielsweise Irak, Somalia oder Afghanistan aus den letzten 30 Jahren. Deshalb gibt es hier auch die gesamte Bandreite von rette x, finde y, durchquere z oder überlebe einfach nur.
Durch einen Geländegenerator sind der eigenen Kreativität aber auch keine Grenzen gesetzt.
Die Truppenaufstellung:
Hier finden sich diverseste Armee- und Einheitenlisten aus allen Herren Ländern. Auch welche, die man so gar nicht bewusst kennt (oder zumindest ich nicht): wie Frankreich oder Spanien. Ansonsten sind die USA und die Briten dabei auf der regulären Seite. Allerdings auch mal mit anderen Einheiten und nicht nur SAS oder SEALs.
Die irreguläre Seite ist eher ein bunter Mix aus Möglichkeiten. Trotzdem habe beide Seiten eine große Auswahl an Infanterie und Fahrzeugen, Flexibilität und eine Menge an Unterstützungswaffen.
Fazit:
Ganz ehrlich? Ich bin hin und her gerissen.
Ihr bekommt wirklich viel für das Geld. Selten habe ich ein so hochwertiges und aufwändig gestaltetes Regelbuch in den Händen gehabt. Hammer! Allerdings hat es dadurch auch ein leichtes „Geschmäckle“. Durch die vielen Fotos von realen Kriegsschauplätzen mit Soldaten und/oder Aufständischen (in Aktion) ist das für mich schon (fast) einen Schritt zu weit in die Realität. Genauso bei den Missionen.
Auf der anderen Seite finde ich die Möglichkeit wirklich originale Einheiten in der exakten Aufstellung spielen zu können faszinierend. Zusätzlich habe ich militärische Einheiten aus Ländern, zum Beispiel Spanien, kennen gelernt, die hatte ich vorher überhaupt nicht auf dem Schirm. Mit manchen werde ich mich auch nochmal genauer mit auseinander setzen.
Ein Regelbuch endlich mal auf Deutsch für Modern Warfare zu haben ist super. Die Übersetzung allerdings ist teilweise grottenschlecht. Das erste Drittel ist das Schlimmste. Nach hinten raus wird es besser. Schade ist auch, dass Eigennamen von Missionen und Einheiten der Übersetzung „zum Opfer“ gefallen sind. Ich habe keinen Vergleich, würde aber erfahreneren Modern Spielern eher zur englischen Version raten.
Die Regeln sind durchdacht und die Videos helfen unheimlich beim Verstehen. Mir ist es aber zu viel, was ich beachten muss: Abzug der Bewegungsreichweiten, die Befehlsradien etc. Laut Autoren sollen Spiele in 45-60 Minuten möglich sein. Vielleicht ja, wenn man die Regeln gut kann. Aber ihr wisst, dass ich gerne Rogue Warriors und Battlespace mit eher schlankeren Regelsystemen spiele, also nehmt mich nicht direkt als Maßstab.
Insgesamt ist Fire! mit Sicherheit ein sehr gutes System für Spieler, die ein detailreiches System mit einem hohem Realitätsbezug mögen. Mir persönlich ist es zu „detailliert und real“. Ich bin eher ein cineastischer Erzählspieler und kein Realitätsabbilder. Böse Zungen könnten jetzt auch behaupten, dass mir das niedrig würfeln ja eher liegen sollte, aber so richtig warm werde ich damit auch nicht.
Ich stehe aber erst am Anfang meiner Modern Warfare Karriere, also möchte ich den Veteranen unter euch Spielern doch ans Herz legen, es sich bitte mal anzuschauen!
Was haltet ihr von richtig realen Anleihen? Seid ihr mehr ein cineastischer Erzählspieler oder ein Realitätsabbilder? Lasst es mich in den Kommentaren wissen.
Euer Seppel














Nach meinen über 30 Jahren im Modern Wargaming ist dieses Review schlicht unangenehm zu lesen..
Hier schreibt niemand, der das Genre versteht, sondern jemand, der daran scheitert. Wer sich „Modern-Spieler“ nennt und dann beim Realismus die Grenze zieht, hat das Thema nie begriffen. Moderne Gefechte sind genau das. Unübersichtlich, unangenehm, voller Friktion und Entscheidungsdruck. Alles andere ist Kulisse.
FIRE! macht genau das, was ein modernes System tun muss. Command and Control, Reaktionen, eingeschränkte Kontrolle. Das sind keine Extras, das ist die Basis. Systeme wie Force on Force oder Spectre Operations haben das seit Jahren vorgemacht. Wer das hier nicht erkennt, hat entweder keine Erfahrung oder schaut nicht genau hin.
Stattdessen wird an der Oberfläche gekratzt. Ein bisschen Mechanik erwähnt, aber nicht verstanden. Dafür wird die Übersetzung breitgetreten, als wäre das der Kern des Spiels. Das ist keine Kritik, das ist Ablenkung. Warum spielt man nicht einfach auf englisch?
Und dass so etwas auf Magabotato als Review durchgeht, ist eigentlich der größere Witz. Wenn man schon Modern Wargaming bespricht, sollte man wenigstens wissen, worüber man redet. Alles andere ist Zeitverschwendung für jeden, der sich ernsthaft für das Thema interessiert.
Dann lieber direkt zu Space Marines greifen.
Hallo VollkerKanne,
danke, dass du dir Zeit für dieses ausführliche Feedback genommen hast.
Allerdings möchte ich zu ein paar Punkten von dir Stellung nehmen:
Erstmal glaube ich, dass wir zwei unterschiedliche Blickwinkel auf Modern Wargaming haben, Du hast 30 Jahre Erfahrung, ich vielleicht 2, wenn es hoch kommt (habe aber auch geschrieben, dass ich kein Maßstab und neu und eher unerfahrener im Bereich bin). Ich persönlich empfinde das nicht als scheitern. Ich verstehe Tabletop immer noch als Spiel und nicht als Simulation.
Nur um das klar zu stellen, ich empfinde nicht das System oder das Gameplay als zu real, sondern die Aufmachung mit den Bildern und den Szenarien, welche auf aktuellen bzw. realen Ereignissen beruhen.
Und unter breittreten (in Bezug auf die Übersetzung) verstehe ich auch etwas anderes. Es gibt nicht viele Regelwerke auf Deutsch, gerade im Modern Bereich. Englisch ist nach wie vor eine Hürde für manche Spieler, deshalb wäre eine vernünftige Übersetzung wünschenswert gewesen.
Es steht dir jederzeit frei, dich über unsere Veröffentlichungen zu äußern. Für weiteren Austausch darüber, würde ich dich allerdings gerne an unseren Chef-Redakteur Sebbo verweisen. Diesen erreichst du einfach und direkt unter Sebastian@magabotato.de
Und letztlich kann ich zu Space Marines noch weniger sagen, da ich vielleicht gerade mal 5 Spiele Kill Team hinter mir habe.
LG
Seppel
Warum so ein unnötig scharfer Ton?
Alles was ich da heraus lese ist „du machst dein Hobby falsch“. Vielleicht ist dieser kleinteilige Ansatz genau das Richtige für dich, aber es gibt auch andere Perspektiven. Spieler, die es mit Mühe und Not schaffen einmal im Monat zu zocken. Denen das Erlebnis wichtig ist und nicht, dass die Regeln die Realität simulieren.
Zudem ist doch davon auszugehen, dass jede Kriegssituation „unübersichtlich, unangenehm, voller Friktion und Entscheidungsdruck“ ist. Egal ob Waterloo oder Verdun. Dennoch stelle ich meine Reserven nicht 3 Tage später auf den Tisch oder beschieße den Gegner aus einem anderen Raum.
Ebenso sei noch gesagt, dass explizit erwähnt wird, dass es sich um die Perspektive eines „Neulings“ handelt. Wer das hier nicht erkennt, schaut nicht genau hin. Aber Hauptsache erst einmal Gatekeeping betreiben.
Und dass so etwas auf Magabotato als Kommentar gepostet wird, ist eigentlich der größere Witz.
@VollkerKanne
Der Kommentar war leider auch sehr unangenehm zu lesen. Diese herablassende Art und dieses Überhöhen der eigenen „Erfahrung“ mach dich als Hobbist leider nicht unbedingt sympathisch.
Ich mach jetzt gute 15 Jahre Modern Wargaming und bin bis heute hin und her gerissen welche Art von Regelwerk meinen persönlichen Sweetspot trifft auch im Hinblick auf die verfügbare Freizeit.
Die Systeme mit mehr Regelcrush erfordern einfach auch mehr Zeit bzw. zoomen auch stark auf die Einzelfigur hinunter. Das muss man mögen und die Zeit für haben. Wie Hannes bereits schrieb, sind Hobbybedürfnisse und narrative Focus bei jedem Spieler unterschiedlich. Das verändert immer die Perspektive auf ein Regelwerk egal für welche Art von Setting.
Das von dir genannte Force on Force hat mich damals in das Thema gebracht. Bei all dem Impact, die dieses System in der Community hatte, hält es einem genaueren Blick unter die Haube auch nicht stand und offenbart auch Design-Fehlentscheidungen, die mir das System leider langfristig verlitten haben.
Du hast definitiv valide Punkte, aber du entwertest sie leider durch deine passiv-aggressiven Schreibweise und nimmst jede Grundlage für eine konstruktive und produktive Diskussion. Es wäre bereichender wenn du uns an deinem Erfahrungsschatz teilhaben lässt als freiwillige Community-Arbeit unnötig zu entwerten.
VG
Volker (aka Arkon4000)
Admin der Modern Wargaming – Germany Facebook-Gruppe