Im ersten Teil meines Beitrags über Proxiekarten habe ich euch erklärt, warum Proxies sinnvoll sein können und wofür man sie einsetzt. Außerdem habe ich gezeigt, wie ich sie bisher hergestellt habe, und einen deutlich professionelleren Ansatz vorgestellt, den ich zukünftig ausprobieren wollte. Inzwischen sind alle Geräte angekommen, die ich dafür benötige, und ich hatte ausreichend Gelegenheit, mit der Methode zu experimentieren. Die Ergebnisse sind mehr als überzeugend, weshalb ich heute meine Erfahrungen mit euch teilen möchte.
Bevor wir tiefer einsteigen, möchte ich noch einmal betonen, dass das gesamte Verfahren auf der Arbeit eines super sympathischen Typen namens Alan basiert. Er ist das Mastermind hinter dieser Technik und hat das Projekt ins Leben gerufen. Alles, was ich hier beschreibe, baut auf seinen Ideen und seiner Arbeit auf. Seine Artikel sowie den Discord-Server werde ich euch am Ende verlinken – ein Blick dorthin lohnt sich auf jeden Fall.
Was ist das Ziel?
Das Ziel hinter der ganzen Sache ist eigentlich schnell erklärt. Wer regelmäßig Kartenspiele spielt und gerne neue Decks ausprobiert, kommt früher oder später an den Punkt, an dem einzelne Karten mehrfach benötigt werden oder man mehrere Decks parallel nutzen möchte, ohne sie ständig auseinanderbauen zu müssen. Genau hier kommen Proxies ins Spiel. Bisher habe ich meine Karten mit einem Hebelschneider zugeschnitten. Das funktionierte zwar, war aber zeitaufwendig und oft nicht besonders präzise. Also habe ich nach einer Methode gesucht, die sowohl schneller als auch sauberer arbeitet. Dabei bin ich auf Alans Ansatz gestoßen, bei dem ein Plotter zum Einsatz kommt. Die Idee hat mich sofort überzeugt, und nach mehreren Wochen Praxistest kann ich sagen, dass sie genau das hält, was sie verspricht. Die Karten werden so exakt geschnitten, dass sie sich von Originalen kaum unterscheiden lassen. Selbst Foil-Karten lassen sich auf diese Weise herstellen.
Ein Wort zur rechtlichen Situation
An dieser Stelle ist es mir wichtig, kurz auf die rechtliche Situation hinzuweisen. Die so erstellten Karten sind ausschließlich für den privaten Gebrauch gedacht. Auch wenn sie optisch täuschend echt wirken, sind sie weder für Turniere zugelassen noch dürfen sie verkauft werden. Darüber hinaus sollte man selbstverständlich auch die Urheberrechte der verwendeten Artworks respektieren. Für Spiele im privaten Rahmen stellen sie jedoch eine hervorragende Alternative dar, insbesondere wenn es um sehr teure oder schwer erhältliche Karten geht.
Was brauche ich?
Was die benötigte Ausstattung betrifft, steht der Plotter klar im Mittelpunkt. Ich verwende den Silhouette Cameo 5 Alpha, ein Gerät, das verschiedenste Materialien mit hoher Präzision schneiden kann.
Ebenso wichtig ist ein guter Drucker, der die Karten in entsprechender Qualität ausgeben kann. Viele greifen hier zu Tintenstrahldruckern, da diese oft bessere Farben liefern als Laserdrucker. Ich selbst nutze einen Epson ET8500 und bin mit den Ergebnissen äußerst zufrieden, auch wenn das Gerät nicht gerade günstig ist.
Ergänzend dazu benötigt man noch ein Laminiergerät, passende Laminierfolien sowie Fotopapier. Natürlich ist die Anschaffung zunächst mit Kosten verbunden, doch auf lange Sicht relativiert sich das, vor allem wenn man regelmäßig Proxies herstellt.
Welche Karten können hergestellt werden?
Was die möglichen Kartenformate angeht, gibt es praktisch keine Einschränkungen. Von klassischen Trading-Card-Größen über Tarotkarten bis hin zu kleineren Formaten oder speziellen Brettspielkarten ist alles abgedeckt. Alan hat im Laufe der Zeit eine Vielzahl an Schnittvorlagen erstellt und erweitert diese kontinuierlich. Sollte dennoch einmal etwas fehlen, kann man sich jederzeit an ihn wenden. Er ist sehr hilfsbereit und reagiert schnell auf Anfragen.
Wie funktioniert es?
Der eigentliche Prozess beginnt mit der Erstellung einer passenden PDF-Datei, die vom Plotter gelesen werden kann. Diese enthält spezielle Markierungen, anhand derer das Gerät später die exakten Schnittlinien erkennt. Um die Karten in dieses Format zu bringen, gibt es verschiedene Wege. Wenn man die Karten bereits auf der Festplatte hat, kann man sich die Datei selbst mit einem Skript erstellen, oder man greift auf Plugins zurück, die die Karten automatisch aus Online-Datenbanken laden. In diesem Fall genügt es, eine Deckliste bereitzustellen, und das Plugin erledigt den Rest. Innerhalb weniger Minuten erhält man ein druckfertiges PDF.
Dieses wird anschließend in der gewünschten Qualität ausgedruckt. Danach empfiehlt es sich, die Seiten zu laminieren, auch wenn dieser Schritt optional ist. Das Laminieren sorgt jedoch für ein deutlich hochwertigeres Finish.
Dabei kann man zwischen matten und glänzenden Folien wählen. Glänzende Varianten lassen die Farben intensiver wirken, spiegeln jedoch stärker, während matte Folien oft edler erscheinen, dafür aber insbesondere dunkle Bereiche etwas flacher darstellen können. Letztlich ist das eine Frage des persönlichen Geschmacks.
Sobald die Seiten vorbereitet sind, werden sie auf eine leicht klebende Schneidematte aufgebracht und in den Plotter eingeführt.
In der zugehörigen Software wählt man das passende Schnittmuster aus und stellt Parameter wie Geschwindigkeit, Schnitttiefe, Anpressdruck und Wiederholungen ein. Hier ist etwas experimentieren gefragt, da unterschiedliche Materialien unterschiedliche Einstellungen erfordern. Mit den vorhandenen Richtwerten kommt man jedoch schnell zu guten Ergebnissen. Im Zweifel hilft auch hier ein kurzer Blick auf den Disord Server.
Nach dem Start übernimmt der Plotter die Arbeit, und kurze Zeit später sind die Karten sauber ausgeschnitten. Der wohl befriedigendste Moment folgt direkt im Anschluss, wenn man die fertigen Karten von der Schneidematte löst. Mit etwas Übung geht der gesamte Prozess erstaunlich schnell von der Hand.
Meine Erfahrungen
In meinen bisherigen Tests habe ich sowohl 160g als auch 300g Papier verwendet, und beide Varianten liefern hervorragende Ergebnisse. Die leichtere Variante kommt dem Gefühl echter Karten sehr nahe und ist in Sleeves praktisch nicht von Originalen zu unterscheiden. Die dickeren Karten wirken hingegen besonders hochwertig und erinnern fast an Plastikkarten, sind jedoch für größere Decks weniger geeignet, da sie sich aufgrund ihrer Stärke schlechter stapeln lassen.
Auch der beidseitige Druck ist möglich, sofern der eigene Drucker dies unterstützt. Gerade bei transparenten Sleeves kann das einen deutlichen optischen Mehrwert bieten. Bei farbigen Sleeves hingegen ist der zusätzliche Aufwand oft nicht notwendig.
Besonders spannend ist die Herstellung von Foil-Karten. Diese ist ebenfalls möglich und weniger kompliziert, als man zunächst vermuten würde. Entweder wird nach dem Laminier- Vorgang eine weitere Foil- Folie aufgebracht, oder man druckt direkt auf Foil-Fotopapier.
Mit der ersten Methode habe ich bereits experimentiert und sehr ansprechende Ergebnisse erzielt.Die zweite Variante werde ich in nächster Zeit noch genauer testen.
Fazit
Abschließend kann ich sagen, dass sich die Investition für mich absolut gelohnt hat. Der gesamte Prozess ist inzwischen so effizient, dass ich ein neues Deck schneller erstellen kann, als wenn ich die entsprechenden Karten aus meinen Ordnern zusammensuchen würde. Selbst größere Projekte lassen sich in kurzer Zeit umsetzen. Alan hat in einem seiner Videos gezeigt, wie er ein komplettes Magic Commander-Deck mit 100 Karten in nur 26 Minuten produziert – und das spricht für sich.
Ich hoffe, dieser Beitrag konnte euch einen guten Einblick geben und vielleicht sogar dazu inspirieren, das Ganze selbst auszuprobieren. Falls ihr Fragen habt, könnt ihr diese gerne in den Kommentaren stellen. Alternativ lohnt sich auch ein Besuch auf Alans Discord-Server.
Beste Grüße
Euer Christian
Links:
Discord: https://discord.gg/YrxmBbRgx
Alan´s Tutorial: https://alan-cha.github.io/silhouette-card-maker/tutorial/














Hey cool, danke für den ausführlichen Artikel, tolle Beschreibung. Dann viel Spaß damit weiterhin. Ich denke, ich schaue auch mal, ob ich an einen Plotter komme, oder den jemand im Freundeskreis hat.