Aug31

Bericht: Hartschaumworkshop mit Gerard Boom

von Christian

Hallo liebe Bastelbegeisterte und Neugierige - willkommen im Blog zum Workshopbericht.

Manchmal wird gesagt, es gäbe drei Wege zu lernen:

Man lernt durch Nachdenken – das ist am Edelsten.
Man lernt aus Erfahrung – das ist am Bittersten.
Und man lernt durch Nachahmung – das ist am Einfachsten.

Auf einem Workshop kann man sich viel abgucken, ausprobieren und meisten kann ich da auch nachdenken. Deswegen musste ich nicht zweimal überlegen, als ich erfuhr, dass Gerald Boom beim Asgard Aschaffenburg e.V. am 16-18.06.2017 einen Workshop für Stryrodurgeländebau veranstalten würde.

Gerard „Geboom“ Boom hat sich inzwischen einen Ruf als „Stryrodurgott“ erarbeitet. Als Gast in diverseren Youtube-Kanälen und Messen und durch seine Homepage Shifting Lands ist er inzwischen bekannt geworden, und teilt regelmäßig seine Kenntnisse und Erfahrungen auf Workshops. Den Bericht über diesen Workshop teile ich in Allgemeines über den Workshop, seine Inhalte und die Organisation der Veranstaltung und die Projekte der Teilnehmer ein. Bei den Podcasts findet ihr auch ein kurzes Interview, welches ich mit Gerald am Sonntag führen durfte.

Der Workshop

Den Workshop veranstaltete der Asgard Aschaffenburg e.V. am 16-18.06.2017 in ihren Räumlichkeiten im Jugendtreff Hockstraße. Auch ohne große Werbung verbreitete sich die Neuigkeit im Buschfunk, ich selbst wurde auf der Tactica schon darauf angesprochen. Auch wenn der Schwerpunkt der Teilnehmer aus dem Vereinsumfeld und der Umgebung Aschaffenburg/Darmstadt kam, reichte der Einzugsbereich der Interessenten von Mainz bis München. Da Gerard hier schon mal zu einem Workshop zu Gast gewesen war, gab es noch eine zweite parallele Gruppe von Wiederholern, die zwar nicht direkt am Workshop teilnahmen, aber im Nebenraum mitbastelten, oder ihr Großprojekt vorrantrieben.

 

Der Workshop war Freitag 18-22 Uhr, Samstag 9-21 uhr und Sonntags von 9 - 15 Uhr geplant. im Allgemeinen machten wir aber abends noch deutlich länger und Einzelne fingen auch schon morgens früher an. Die Veranstalter vom Asgard trugen dies als begeisterte Hobbyisten mit. Für kleines Geld boten sie auch Snacks und eine warme Mahlzeit an, aber ich bin von  ihrer routinierten Organisation inzwischen auch verwöhnt.

Auch wenn Gerards Workshop erstmal mit einer Vorstellung und Theorielektion begann, war die Veranstaltung sehr praktisch orientiert, da jeder Teilnehmer ein Projekt selbstständig gestalten durfte, aber immer auf die Inspiration der Teilnehmer und Gerards Unterstützung zurückgreifen konnte. Das machte das Ganze zu einem sehr unterhaltsamen Bastelwochenende, bei dem man sich sehr viel abschauen konnte, wenn man sich aus seiner Komfortzone wagte. Mir persönlich hätten es mehr theoretischer Überbau sein dürfen, aber ich stehe auch darauf Dinge sehr durch zu methodisieren smile. Aber gerade der Umgang mit dem Heißdrahtschneider, die korrekte Temperatur und die richtige Drahtspannung hätte noch mehr Aufmerksamkeit vertragen können.

Auch wenn der Workshop ganz allgemein auf Geländebau mit Styrodur ausgeschrieben war, lag der Fokus klar auf dem Bau von Gebäuden, wofür Gerard viele Methoden und Ansätze zeigte. Der Schwerpunkt lag auf dem Umgang mit dem Heißdrahtschneider, Skalpell und Bleistift. Er präsentierte auch die von ihm entwickelten Schablonen für den Bogen und Fensterbau, seine neuen gelaserten Fensterrahmen und seine Erweiterungswerkzeuge für den Heißdrahtschneider. Viele nutzten auch die Gelegenheit sich gleich mit entsprechenden Werkzeugen einzudecken, allerdings hatte Gerard für jeden Teilnehmer eine B-Waren-MDF-Schablone speziell für diesen Workshop bereitgelegt und stellte uns mehrere Heißdrahtschneider, Schablonen und Werkzeuge zur Verfügung.

Auch hatte Gerard sehr viele Anschauungsobjekte mitgebracht, die nicht nur seinen Bastlerwerdegang nachvollziehbar machen, sondern an denen er auch die Wirkung von Methoden und Techniken präsentieren konnte. Bei all den technisch äußerst gut durchdachten Schablonen und Werkzeugen, um die wesentlichen Formen in hoher Präzision zu schaffen, bleibt aber Gerard Geländebaustil nach wie vor viel fummelige Handarbeit. Auch wenn er durchaus unseren Universalstrukturierer zu würdigen weiß, beruht sein Stil auf der vollen Kontrolle der Oberflächentextur durch Bleistifte. Ein wesentlicher Punkt des Workshops lag also auch darin, das Strukturieren von Steinen, Ziegeln und Holz mit dem Bleistift einzuüben. Damit hatte ich als eher „effektiver“ Geländebauer anfänglich meine Probleme, wagte mich dann aber gegen Samstagabend endlich aus meiner Komfortzone und probierte dies im größeren Stil.

Die wesentlichen anderen Tipps und Tricks lagen vor allem in dem Umgang mit dem Heißdrahtschneider, Hinweisen zur unterschiedlichen Struktur des Hartschaums, je nach seiner Schäumrichtung und ein Auge und Erfahrung für bestimmte Baudetails zu entwickeln. Ein wichtiger Punkt bestand vor allem im mehrschichtigen Aufbau von Mauerwerk und Gebäudeteilen. Gerard stand immer wieder beratend und lobend zur Seite, präsentierte das passende Werkzeug, Idee oder Technik und half mal bei schwierigen Handgriffen, die er dann für eine kleine Gruppe präsentierte.


Gerade am Heißdrahtschneider zeigte er seine ganze Kunst und setzte mit Erfahrung und technischem Verständnis manche Idee um. Ansonsten ging er herum, bastelte an seinem eigenen Projekt im Stehen weiter und war entzückt von unseren Ideen.

 

Die Projekte

Jeder Teilnehmer sollte sich ein Projekt überlegen und versuchen es umzusetzen. Hier zeigte sich schon, wie ambitioniert und routiniert als Geländebauer viele waren, ich denke es war kein einziger echter Anfänger dabei und sie orientierten sich auch an sehr präzisen historischen Vorlagen und Elementen. Die meisten nutzten die gegebene Zeit vor allem um die Styrodurformen zu schaffen, nur ich, mit einem stark sequenziellen Bastelstil ging teilweise schon wirklich zur Bemalung über.

Hier sehen wir ein Fachwerkhaus mit gemauertem Fundament. Das Füllwerk ist offensichtlich mit einem weichen Bleistift texturiert worden, die Gitterfenster im Fundament bestehen aus grobem Gipsband, welches zwischen zwei Hartschaumlagen geklebt wurde.

Diese Keltische Kirche bekommt gerade ihre ersten Reihen an Schindeln aus einem hauchdünnen Hartschaumstreifen. Die Spitzbögen führten bei mir erstmal zur Verwunderung, waren so aber auch genau auf dem Vorlagenfoto zu finden.

 

Auch die grimme Zukunft der 41. Jahrtausends war zu finden, hier in einer imposanten imperialen Festung. Einige Gelände-Theoriediskussionen führten dazu, dass dieses eindrucksvolle Stück noch einen zweiten Zugang in Form einer Bresche bekam, um diesen spielerisch wertvoller zu machen.

 

 

Besonders detailverliebt empfand ich diese Gebäude, die sich an einen venezianischen Stil anlehnen. Bei diesem ambitionierteren Projekt wurden wirklich beinah alle gezeigten Techniken irgendwie eingebaut. Vom Maßstab plante hier der Bauzmeister für Freebooter's Fate Modelle

 

 

Auch für dieses System wurden noch weiteres Gelände gebastelt, hier ein Ballspielplatz für die Amazonen, frei nach den bekannten Mayavorbildern.

 

 

Eines der voluminösesten Projekte sollte dieses Fantasyschloss in weichen Formen für die Ponys der Tochter werden. Leider musste die Baumeisterin als eine der Ersten schon abreisen.

  

Ich selbst war nur mit einem sehr losen Konzept auf den Workshop gefahren, da ich kein dringendes Projekt hatte. Daher wurde mein erstes Stück zum warmwerden ein kleiner Pavillon für die 54mm Prinzessinnen meiner Tochter.

 

Nach dem ich dann warm gelaufen war, probierte ich mich an einem dekorativen Beobachtungstürmchen. Hier wollte ich den ein oder andern gezeigten Trick mit den Bögen umsetzen, war dann aber nach mehreren Fehlversuchen auf Gerard Hilfe angewiesen. Mein Treppenkonzept funktionierte aber exzellent.
Ansonsten versuchte ich mir eher an diversen Detailstudien und Übungsprojekten zum mehrschichtigen Aufbau und Texturieren von zyklopischen Mauerwerk.

  

Stilistisch sehr interessant find ich dieses viktorianische Stadthaus. Eine Idee, die mir unglaublich gut gefiel, aber auf die ich nicht gekommen wäre.

 

Nicht ganz fertig, aber sehr gut geplant war auch dieses moderne Haus.

Gerard selbst arbeitete die meiste Zeit an seiner romanischen Kirche, die er schnell zuschnitt und dann lange und ausdauernd texturierte. Auf die Frage am späten Abend, als er mit Zigarre entspannt draußen saß und den 3425. Stein gestaltete, antwortete er auf die Frage: „Wie texturiert man am besten Styrodur?“ nur noch „Entspannt unter Freunden, im Sommer draußen – wenn man will auch mit Zigarre“.

 

Fazit

Ich habe auf diesem Workshop sehr viel mitgenommen – Ideen, Materialien und eine gute Zeit mit anderen Hobbyisten. Das gemeinsame Basteln und das sich gegenseitig kreativ Befruchten ist auch für Gerard der Hauptgrund diese Workshops zu veranstalten. Ich kann euch diesen Workshop ans Herz legen, aber ihr solltet schon einmal etwas Erfahrungen mit Geländebau gesammelt haben und Ideen mitbringen. Denn es ist ein Workshop, man muss selbst Dinge praktisch umsetzen und kann sich nicht einfach nur berieseln lassen. Wenn man aber etwas offen ist und neue Ideen ausprobieren möchte, findet man hier praktische Erfahrung und Hilfestellungen.

Wart ihr schon mal auf einem Workshop oder wollt mal einen besuchen? Was haltet ihr von Styrodur, oder ist Stuckateursgips das einzig wahre Bastelmaterial für den modernen Geländebauer?
Wir freuen uns auf eure Kommentare.

Kommentare (13)

  • Meinereiner

    31 August 2017 um 00:43 |
    Danke für den Bericht. So einen Workshop würde ich auch gerne mal mitmachen. Die Bilder hier liefern aber schon einige Ideen zum nachbauen. Ich muss meinen Styrocutter unbedingt mal wieder ausgraben...

    antworten

  • der stille Don

    31 August 2017 um 09:54 |
    Oha! Dankeschön für die wunderbare Bilderstrecke (und die damit einhergehenden Inspirationen!). Den Bericht muß ich dann noch aufmerksamer lesen (und eventuell auch das Interview gleich nebenan im Podcast anhören), aber jetzt schon: chapeau!

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  • Nexus

    31 August 2017 um 12:17 |
    Sehr interessant, danke für den Bericht und die vielen inspirierenden Eindrücke. Sehr spannend zu lesen und schauen!

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  • hex

    31 August 2017 um 16:51 |
    Großartiger Bericht, ich hoffe Gerald ist bei zeiten wieder in der Region - da muss ich mal nach einem Workshop ausschau halten.

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  • Shadowseer

    31 August 2017 um 17:18 |
    Ganz klar: Styrodur/Jackodur/XPS for the win!

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  • Andre J

    01 September 2017 um 07:32 |
    Sehr gut Bericht. Sehr interessant.

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  • Calgar

    01 September 2017 um 12:21 |
    Vielen Dank für den Bericht und die gelieferten Inspirationen. Bin auch in den Bereich Styrodur eingestiegen und muss schon sagen, das Material is cool. Bisher arbeite ich mit Platten aus dem Baumarkt, muss aber noch nem Onlineshop finden, der auch handlicher Blöcke Styrodur anbietet.

    Was hat der Workshop gekostet? Wenn sowas in Bodensee nähe stattfinden würde wäre ich dabei :-)

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  • Sunami

    01 September 2017 um 19:47 |
    Wow. Das regt echt zum Basteln und Kreativwerden an.

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  • BigKahuna

    02 September 2017 um 15:12 |
    Ideen pur! Toll!
    Immer wieder begeistert was man so aud ein bischen Schaum zaubern kann...

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  • Tom

    03 September 2017 um 21:48 |
    Klasse Bericht, danke! Allerdings möchte ich die Gelegenheit nutzen und darauf hinweisen dass eine vernünftige Belüftung des Arbeitsplatzes echt wichtig ist wenn man Styrodur heiß schneidet. Neben Kohlenmonoxid und Kohlendioxid entsteht bei der Verbrennung auch Styrol. Also bitte lüften und noch besser eine Maske tragen!

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  • Butch

    04 September 2017 um 13:10 |
    Mach t richtig Lust auf so einen Workshop bei Gerhard.
    Toll, auch die Idee die Wiederholer im Nebenzimmer mitmachen zu lassen.

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  • MurdocGE

    13 September 2017 um 07:32 |
    Da bekommt man richtig Laune auf einen Workshop bei Gerard. Danke für den tollen Bericht. Irgendwann schaffe ich es hofftenlich auch mal zu einem Workshop, denn ich bin im Umgang mit dem Gerät noch ziemlich unbeholfen^^

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    • Louie

      13 September 2017 um 22:10 |
      üben üben üben.....so lernt man es

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