Apr14

Denis’ Gedankengrütze Teil 5 – Sind Tabletopper Alphatiere?

von Super User

Hallo liebe Leser, oder wie man hier im Norden sagt: Moin moin.
Die letzte Gedankengrütze ist nun ein Weilchen her und ich konnte einige weitere Eindrücke aus meinem Hobbyleben und dem von Anderen sammeln. Lange habe ich überlegt, was denn die nächste Kolumne als Thema haben könnte. In einer anregenden Diskussion mit meinem Warhammer- und Infinity- Nemesis “Ungula der wahre Krieger” (nein, das ist kein eingebildeter Freund. Aufgrund eventuell verletzter Gefühle und des Datenschutzes wird der richtige Name hier nicht genannt ), kamen wir auf das Thema Regeln zu sprechen. Spielregeln sind für jedes Spiel nicht nur wichtig, sondern definieren eben dieses. Ist ja auch logisch. Tabletopspiele haben aber von Natur aus die Angewohnheit komplexer zu sein als Brettspiele. Das liegt zum Einen an der Natur der Sache, dass es keine Spielfelder gibt und man die Figuren dadurch frei bewegen kann. Dadurch ergeben sich – natürlich – viel mehr Situationen, die von den Regeln abgedeckt werden müssen.  Deshalb hat ein Tabletop IMMER eine gewisse Grundkomplexität, die über die Regeln von “Mensch Ärgere Dich nicht” hinausgeht. Egal wie einfach und simpel das Spiel gehalten ist (bestes Beispiel sind die Spiele von Mantic “Kings of War” und “Warpath”, die wirklich sehr unkomplex  sind), einen gewissen Regelteil wird es immer geben. Dadurch, und durch die vielen Variationen der Spiele und die Intentionen der Hersteller, ihre Spiele anders, komplexer und individueller zu gestalten, ergeben sich manchmal doch sehr ansehnliche Schmöker, die von der Dicke irgendwo zwischen einer monatlichen Videospielezeitschift und dem Brockhaus anzusiedeln sind.
Eine solche Fülle an Regeln kann kaum jemand immer auswendig können. Vor allem dann nicht, wenn man mehr als ein System spielt und irgendwie noch ein echtes Leben hat.

Jeder kennt folgende Situation: Man zockt ne Runde mit einem Kumpel (oder Kumpelin. Im Folgenden wird der Einfachheit halber die maskuline Form genommen. Sorry Mrs. Schwarzer) und plötzlich steht man vor einer Situation, die in den Regeln nicht genau abgedeckt ist, oder in der eben diese sich widersprechen. Der normale Weg führt dann dazu, das Regelbuch zu konsultieren. Der normale Weg wäre der, dies gemeinsam zu tun, die Regeln zu finden, sie auszuwerten und sich auf etwas zu einigen, sollte es nicht ideal abgedeckt sein. Der normale Weg ist schnell, effizient, freundschaftlich und fast sozial. Aber dies ist der normale Weg und nicht der Weg des Tabletoppers.
Bitte? Will der mich jetzt verarschen? Werden nun einige denken. Ich zeige Euch nun folgende Definition und solltet Ihr auch nur die kleinste Ähnlichkeit an vergangene Spielsessions entdecken, dann dürft Ihr euch den Schuh ebenfalls anziehen. Ich tu es auf jeden Fall.

Kommen wir also zurück zu unserer Spielsituation: Es wird ne Runde gezockt und eine Regelfrage taucht auf. Plötzlich wird es seltsam. Es wird nicht nachgeschlagen, sondern beide Spieler äußern ihre eigenen Regelauslegungen. Natürlich sind sie immer zugunsten ihrer eigenen Spielsituation und werden vehement verteidigt. Man beginnt zu diskutieren wieso und warum überhaupt. Es vergehen unproduktive Minuten. Es werden Sichtlinien kontrolliert, Entfernungen gemessen etc.  Irgendwann gibt einer der Beiden auf und schlägt vor, das Regelbuch zu konsultieren. Dies tut er nun weil er entweder keine Lust mehr auf die Diskussion hat, oder weil er weiß, dass er im Unrecht ist und nicht des Schummelns bezichtigt werden möchte, sondern es lieber als Unwissenheit abtun möchte. Solche Menschen sind aber nun wirklich komplett böse, aber ein jeder steckt in jedem von uns. Wieso? Lest weiter.
Nun wird das Regelbuch geöffnet. Aber es schauen nicht beide gleichzeitig rein, das wäre ja zuuu umständlich. Nein, einer greift das Buch und wälzt alleine darin. Er könnte über eine Zusatzregel stolpern, die gegen ihn ausgelegt werden könnte. Immerhin hat er ja SEINE Theorie. Nun findet er seine Passage und hat natürlich Recht. Er liest es vor und scheint gewonnen zu haben, aber weit gefehlt. Der (meist männliche) Stolz des Gegenüber lässt eine solche Kapitulation nicht zu: Jähes Misstrauen. Er weiß warum. Er liest die Zeilen mehrmals durch, eventuell flüstert er es auch vor sich hin. Kontrolliert nochmal den Tisch oder fragt nochmal nach den Fähigkeiten der Modelle des Gegners. Der erste Spieler freut sich nun, seinen Gegenüber überzeugt zu haben, doch dann plötzlich: „Aber ich habe doch woanders gelesen dass…“.
Nun geht das Spielchen von vorne los, nur mit getauschten Rollen. Natürlich einigt man sich früher oder später, indem einer meist etwas genervt oder eingeschnappt mit den Worten „Ja gut OK, machen wir es so, aber hätte ich das gewußt, hätte ich gleich anders gespielt. Nun ist meine Taktik komplett hinfällig“ klein beigibt. Oft kann man sich auch nicht einigen und wirft einen Würfel um zu entscheiden.
Bei größeren Systemen kommt es aber auch oft noch zu einem sogenannten Advanced Rulefuck.
Sollte es Kampagnen- oder Fraktionsbücher geben, dann werden oft die Regeln aus dem Regelbuch gegen die Regeln aus dem Zusatzbuch ausgespielt.
Sätze wie „Fraktionsbücherregeln überschreiben Grundbuchregeln“ sind dann keine Seltenheit am Spieltisch. Auch beliebt sind Dialoge wie:
„Aber in der Errata steht…“
„Ja, aber ist die Errata denn wirklich offiziell?“
oder
„Na, deinem Armeebuch kann ich nicht glauben, die übersetzen ja immer so viel falsch. Bitte das nächste Mal mit der englischen Ausgabe spielen, die ist fehlerfrei“

Keine Tricks und Ausflüchte sind schmutzig genug, um eine Sieg zu fördern, oder zumindest um seine falsche Einschätzung zu verdecken. Wir Tabletopper versuchen immer unser Fachwissen wie einen riesigen Schwengel dem Anderen vorzuhalten. Und diskutieren gerne darüber, dass eben dieser Schlonker besser ist, als der andere. Wir sind hartnäckig und diskutieren lieber stundenlang und verschieben das Spiel, als klein beizugeben. Wir zeigen, dass wir mehr verstehen als der Andere, dass wir richtig liegen. Wir benehmen uns wie Alphatiere.
Diese Hartnäckigkeit (und die Fähigkeit, den Wissenspillemann vor die Nase zu halten), machen uns eigentlich zu perfekten Führungskräften. Es scheint in der Persönlichkeit verankert zu sein, dieses Ausüben von Macht.
Oder vielleicht doch nicht?
Denn wir Zocker sind ein gut gemischter Querschnitt durch die Gesellschaft. Vom Schüler über Arbeiter bis hin zum Arzt sind wir alle vertreten. Natürlich gibt es auch einige Führungskräfte, aber  nicht mehr als in anderen Gebieten. Ist es dann doch eher das Hobby, das den kleinen Choleriker in uns weckt? Ist es für uns mehr als nur ein Spiel? Ein Wettkampf um die Ehre? Geht es darum, sich den anderen zu beweisen und seine Cojones zu präsentieren? Können wir unser Gesicht verlieren, wenn wir zugeben, dass wir etwas nicht wissen? Dass wir nicht gut spielen? Warum werden viele gute Menschen im Spiel zu Dispoten, Betrügern und ganz ganz bösen Menschen?
Wer eine Antwort auf diese Frage hat, soll sie mir gerne mitteilen, ich möchte hier nur die philosophischen Ansätze liefern.
Natürlich überspitze ich hier die ganze Sache, aber dennoch frage ich mich selber, weshalb ich beim Spielen, ja sogar bei Freundschaftsspielen immer wieder bemerke, wieviel ernst plötzlich bei der Sache ist. Wenn Kumpels zusammen was trinken, quatschen, ausgehen, Filme schauen etc. plötzlich nur noch wollen, dass der Andere unterliegt, sollte das einem zu denken geben.
Das ist überall so? Ich bin mir da nicht so sicher. Ich spiele zum Beispiel seit Jahren Badminton. Wenn ich gegen einen Freund spiele, dann ist es ein sportlicher Wettkampf, der aber nicht auf einer persönlichen Ebene stattfindet. Man freut sich natürlich, wenn der Gegner Fehler macht, aber dennoch ist das Gefühl anders. Bei einer Partie Warhammer freut man sich auch, nur schlägt das oft in Gehässigkeit um. “Ich sehe das schon die ganze Zeit, wollte Dich aber reinlaufen lassen“.
Klingt hart? Vielleicht. Das ist bei Spielen mit Taktik und Strategie nun mal so? Korrekt, das ist es. Natürlich spielt man nicht, um dem Anderen zu helfen, dennoch ist die Tonlage oft eine Andere. Achtet das nächste Mal darauf! Warum ist man plötzlich von dem Vorzeigen des eigenen Fehlers so betroffen? Warum fühlt man sich irgendwie vor dem Kopf gestoßen?
Liegt es daran, dass man sich für dumm gehalten fühlt, da man einen Denkfehler gemacht wird? Einen Fehler im eigens auserkorenen Hobby, wo man doch so viel Zeit und Geld investiert und gut sein MUSS? Liegt es daran, dass wir einfach sehr viel Herzblut in die Spiele stecken? Oder ist es garnicht so und ich schreibe hier nur geistigen Dünnpfiff.

So oder so bleibt die Frage, was mit uns während eines Spieles passiert. Weshalb „ehrenhafte“ Spieler auf Turnieren die Armee des Gegners aufs Genaueste inspizieren um Fehler der Orga zu melden?  Warum wird beim Gegner auf einen Millimeter alles kontrolliert, enn man selbst die Abmessungen gerne freier auslegt? Warum trauen wir unserem Gegner nicht und müssen alles hinterfragen, uns Regelbestätigungen holen? Weshalb können wir nicht einfach bei Regelfragen einen leichten Mittelweg finden, ohne lange zu diskutieren oder womöglich beleidigt zu sein? Warum sind wir beim Spielen eher verleitet zu schummeln, wo wir doch Lügen und Intrigen in der Wirklichkeit nicht aussehen können?
Was passiert mir uns? Und aus welchem Grund? Wieso handeln wir so und ist das gut, dass wir so handeln?
Ich persönlich denke, dass wir uns in diesem Hobby immer in einem Wettkampf mit unseren Gegnern befinden. Genau, unsere Mitspieler sind Gegner. Die Wortwahl unseres Hobbies ist schon sehr martialisch. Der Mitspieler wird zum Gegner, das Spielfeld wird zum „Feld der Ehre“. Wir bemalen nicht nur Miniaturen und spielen damit, wir beschäftigen uns mit dem Hintergrund und bauen gewisse Ideale auf, die zwar nicht der Realität entsprechen, aber in der Zeit, in welcher wir zocken, ungemein wichtig für uns sind. Wir bauen Spieltruppen auf, wie wir es wollen, bemalen sie nach unseren eigenen Vorstellungen und erstellen Taktiken nach unseren Vorlieben. In jedem Aspekt des Hobbies steckt so viel von uns selbst, dass wir uns beim Spielen nicht nur taktisch, sondern auch intellektuell und persönlich messen. Deshalb tut der Verlust einer wichtigen Figur richtig weh, ja kann uns sogar wütend machen. Deshalb können wir so nicht glauben, wenn der Gegner einen Schachzug macht, der das Spiel kippen kann, dass  wir das in den Regeln nachkontrollieren müssen. Deshalb diskutieren wir lieber, anstatt uns die Blöße über unsere Regelunkenntnisse zu geben. Denn  für viele Menschen ist es schlimm, wenn ihnen gezeigt wird, dass das, was sie am besten können, plötzlich nichts wert ist, da es immer jemand Besseren gibt.
Es hat doch wieder alles mit unserem Penis zu tun (ja liebe Frauen, Ihr solltet das bitte als Metapher sehen). Die Männlichkeit die bestätigt werden will. Aber das ist nur meine persönliche Meinung. Was mich aber interessieren würde ist, was Ihr dazu denkt. Erkennt Ihr Euch, oder einen Mitspieler, in einem der Beispielen wieder? Was denkt Ihr? Reflektiert einmal das Verhalten am Spieltisch und schreibt mir Eure Gedanken.

Bis zum nächsten Mal

Denis

PS: Ich bin schon wieder urlaubsreif.

Kommentare (3)

  • Ronny

    07 September 2012 um 14:40 |
    Wie ich bin der erste, der zu diesem Thema ein Kommentar abgibt?

    Naja, Grundgenommen stimme ich Denis sehr stark zu. Ich bin zwar einer der Wenigspieler, aber wenn, dann versuche ich mit einem Thema und mit viel Spass in ein Spiel reinzugehen. Zumal ich das viel so oft schon auf Turnieren als Spieler erlebt habe, habe ich auf diese Art von Spielern kein Interesse mehr.

    Klar, gab es dann auch ein paar ungereimtheiten, wo der eine sich mal so verhält, wie im Thema beschrieben. Nur ich VERSUCHE es doch sehr stak zu vermeiden.

    Zudem gehöre ich auch zu dem Typus Spieler, der anderen Spielen gerne beiwohnt und Regelfragen, wie sie dann so auftauchen sollten, schnell und unabhängig beider Spieler zu lösen. In anderen Worten: Während die Spieler sich fast schon an die Gurgel gehen, habe ich die Antwort schon schneller nachgechslagen, um das zu verhindern.

    Der (für mich) kleine Vorteil, als Spielereferendar, besteht darin, andere Spieler kennen zu lernen, also wie sie spielen. Sollte ich dann noch eine Emphatie feststellen, das es diesem Spieler genau so geht wie mir, freue ich mich schon auf eine Partei, bei der es dann richtig Spassig und auch fair sein kann.

    Mit freundlichen Grüßen,

    Captain Silvius
    Ronny

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  • Daniel

    03 Oktober 2012 um 11:39 |
    Ziemlich (selbst-)kritische Töne zum diskussionsfreudigen Spieler. Zugegeben, der Regeldiskutierer ist vilerorts unbeliebt - weil er ein Gegner, der schwer zu besiegen ist, der sich nichts vormachen läßt und unserer Wahrnehmung der Wirklichkeit eine eigene entgegenstellt.
    Und das ist gut so. Ich möchte die Münze einmal umdrehen und dieses Verhalten als positiv bewerten.

    Auf den Prüfstein gehört zunächst die Einschätzung, daß im Fall eines Regeldisputs, bei dem zwei Spieler unterschiedliche Auslegungen haben, a priori einer im Recht ist und einer nicht. Dazu müßten aber die Regeln solcherart formuliert sein, daß tatsächlich jede erdenkliche Situation eindeutig geklärt wird. Und das ist schlechterdings nicht der Fall. Regelwerke sind (schon der Lesbarkeit halber) so formuliert, daß sie Widersprüche enthalten. So kommt es dann zu Diskussionen zwischen den Parteien ‘was da steht‘ und ‘was damit gemeint ist‘, dem vermutlich bekannten Streit um den ‘spirit‘ der Regeln.

    Ein Beispiel? Aber gern: Ich erinnere mich an eine Edition von Blood Bowl, in der dumme Spieler wie Trolle zunächst eine 2+ würfeln mußten, bevor sie eine Aktion durchführen können. Zu Aktionen gehört Bewegung und aufstehen, wenn man umgeblockt wurde, kostet drei Felder Bewegung, also ist aufstehen eine Bewegungsaktion. Die Regelbeschreibung von Dummsein sagte aber: wird der 2+ Wurf verpatzt, macht der Spieler nichts „...standing around and doing nothing“ Ja, da stand „standing“ in den Originalregeln, darf also der dumme Spieler wenigstens aufstehen, wenn er schon sonst nichts machen darf? Diskussion! Ra-ra-ra!

    Wargamer sind typischerweise Optimierer, die in jeder Situation den besten und schnellsten Weg zum Ziel suchen. Der Taktikaspekt unserer bevorzugten Würfelspielsysteme besteht auch darin, daß man als Spieler genau solche Hintertürchen in den Regeln sucht, um sie zum Bestandteil der eigenen Strategie zu machen, egal bei welchem System. Das Buckler-Rundschild gibt +1 Rüstung und ich kann in derselben Hand auch eine Waffe führen? Steht nicht da, daß ich nur eins davon tragen kann, also doubleswing und trotzdem +2 Rüstung, harhar.

    Es macht einfach Spaß, ein solches Hintertürchen zu finden, an das noch niemand vorher gedacht hat, um es dann in einen spielwerten Vorteil zu verwandeln. Erinnert sich noch jemand an den Warhammer-Zwergenhubschrauber mit der magischen Unsichtbarkeits-Rune für Kriegsmaschinen? Und was es da für Diskussionen gab über Fairness und Bartlängen und den ‘spirit of the rules‘?

    Spielregeln sind keine absoluten, unfehlbaren Gesetze. Die einfachste Lösung ist sicherlich der gute alte Würfelwurf, um Diskussionen garnicht erst aufkommen zu lassen. Das ist die unbefriedigendste Lösung, denn die Diskussionen sind der richtige, vielleicht der einzige Weg, das Potential des Spiels aufzuzeigen: Spielen ist eine sehr basale menschliche Aktivität, die Kreativität und (durch Wettkampf) Energie freisetzt. Damit hat Spielen das Potential, verfestigte Strukturen zu durchbrechen und Innovation hervorzubringen. Deshalb wird auch in Seminaren für Manager gespielt, weil man da auf der Suche nach Leutchen ist, die auf Gedanken kommen, die der Konkurrenz so noch nicht gekommen sind.

    Aus Regeldiskussionen werden im Idealfall die bekannten ‘house rules‘, selbst gefundene Ergänzungen zum unvollkommenen Regelwerk. Sowas finde ich absolut primig! Ein Sack voll house rules in einer Spielergruppe zeigt innovatives Denken und die Fähigkeit, neue Ideen überzeugend zu präsentieren (ist ja ein alter Hut, daß jeder, der eine neue Idee hat, erstmal auf Ablehnung stößt, gemäß der deutschen Grundsätze „das haben wir immer so gemacht“ und „da kann ja jeder kommen“).

    Erinnert sich noch jemand an die 3. Edi von Warhammer? Da stand im Regelbuch, daß die Regeln nicht dazu gedacht sind, jede Situation abzudecken und das sie das auch garnicht tun sollen. Was für ein Sakrileg! Die Regeln sind also nicht in Stein gemeißelt, sondern nur Richtlinien? Da wird ja garnicht mehr gespielt, sondern nur noch diskutiert!
    Deshalb gab es ja einen Gamemaster. Einen dritten Spieler, der ein Szenario vorgibt, Siegbedingungen definiert, Regelfragen unparteiisch entscheidet, Diskussionen zu Präzedenzfällen macht, kurz und gut auf den Input der Spieler wartet, um eine Geschichte zu erzählen und Weltregeln zu erschaffen.

    Und wie es in Deinem Text, lieber Denis, zum Schluß heißt: Im Spiel steckt viel von uns selbst. Unser Umgang mit der unvollkommenen Welt des Spiels, in der unsere Innovation und die Motive hinter unseren Ideen zum Vorschein kommen können, sind tatsächlich in der Lage, mit uns etwas anzustellen. Unser Diskussionsverhalten, wenn es um mögliche neue house rules gibt, verrät uns etwas über unseren Umgang mit Vorschriften, etablierten Vorstellungen und herkömmlichen Strukturen im Allgemeinen, auch im echten Leben. Verlassen wir uns auf die unfehlbarkeit einer Autorität, die uns Recht zu geben scheint? Oder sind wir bereit, neuen Ideen eine Chance zu geben, auch wenn sie uns zunächst benachteiligen? Undsoweiterundsoweiter.

    Mist, schon wieder nen Roman gepostet. Die Texte des Magabotato-blogs sind eben zu anregend...

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  • Ironhand

    04 Oktober 2012 um 23:30 |
    Sind Tabletopper Alphatiere?
    Die Antwort auf diese Frage könnte, glaube ich, ganz einfach sein:
    Ja! Jemand, der sich nicht gern misst, um zu siegen und sich damit über einen anderen zu stellen, wird ein Spiel, welches so sehr auf Kontrahenten-Denke aufbaut, meiden.
    Klingt vielleicht erst einmal provokant, aber im Grunde genommen weichen wir diesem disharmonischen Verhalten aus gutem Grund nicht aus: Wir wollen den (Miniatur-)Krieg!
    Wer ihn nicht will, wird diese Art des Spiels ablehnen. Oder?
    (Nicht, dass ich nicht hätte provozieren wollen!)

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