Dez16

Review: Necromunda

von GregorM

Necromunda gehört zu den ältesten und beliebtesten Specialist games von Games Workshop. Das Spiel rund um Bandenkriege auf den unteren Ebenen imperialer Makropolstädte lebte durch eine aktive Community sogar weiter, als GW es aus dem Sortiment nahm und in den 90ern gab es kaum einen Tabletop-Laden, in dem nicht irgendwann eine Necromunda-Kampagne lief.

 

Ich habe das Original damals gerne gespielt und war natürlich erfreut, als GW eine Neuauflage ankündigte. Selbige Box halte ich nun dank Planet Fantasy in meinen Händen und habe einen etwas genaueren Blick auf das Spiel geworfen.

Der Boxinhalt ist zweifelsohne umfangreich. Plastikgussrahmen für insgesamt 20 Modelle, Schotts und Barrikaden, dazu Schablonen (die wiederum in der aktuellen Edition von 40k rausgeflogen sind), Spielpläne, Würfel, Marker etc. Gefühlt bekommt man weniger Masse fürs Geld als bei den 30k Boxen Betrayal at Calth oder Burning of Prospero, aber nichtsdestotrotz bekommt man schon einiges an Material.

 

Bevor ich mich dem eigentlichen Spiel zuwende, werfen wir einen Blick auf die Miniaturen.  Auffällig ist, dass vor allem die Goliaths recht groß sind, meinem Eindruck nach wachsen die Minis bei GW weiterhin, zumindest bei aktuellen Designs. Mit den Gussrahmen aus der Box lassen sich 10 Gangmitglieder für die Goliaths und 10 für die Escher bauen, darunter jeweils einen Gangboss und 1-2 Champions. Was allerdings fehlt, ist die Möglichkeit, Kids zu bauen, also Anwärter der Gang, die bei den alten Sculpts auch eher nach jugendlichen Möchtegerns aussahen. Die Multi-Part Modelle bieten vielseitige Bauoptionen und auch bei der Gussqualität kann man sich nicht beklagen. Ein schöner Bonus sind die ausmodellierten, gestalteten Plastik-Bases, die in beiden Basegrößen beiliegen.

 

 

Aber kommen wir zum eigentlichen Spiel. Die Grundregeln sind simpel. Jedes Modell hat pro Aktivierung zwei Aktionen, die es zum Bewegen, Kämpfen oder für andere Handlungen nutzen kann (Die Goliaths wollen vielleicht zwischen durch ne Runde Bankdrücken machen oder die Escher Chemikalien nachfüllen). 

Sichtlinien werden jeweils ab der Basemitte des aktiven Modells gemessen und Würfelproben werden mit einem oder mehreren W6 abgehandelt, wobei ein niedriges Wurfergebnis üblicherweise das Ziel ist. 

Viel komplizierter wird es mit den Regeln aus der Grundbox auch nicht, denn Kampagnenregeln oder komplexere Spielmechanismen sucht man im Grundregelwerk vergebens. Die Box geht auch nicht von einem dreidimensionalen Spieltisch aus, sondern bezieht sich in den Regeln ausschliesslich auf das beiliegende Spielbrett.

 

An dieser Stelle stosse ich auch immer wieder auf ein grundsätzliches Problem, dass ich bei der Neuauflage von Necromunda sehe. Einerseits wurde das Spiel mit starkem Fokus auf Brettspieler vermarktet und die Regeln ermöglichen eigentlich mit den fertigen Profilen einen schnellen Out-of-the Box Einstieg. Andererseits funktioniert Out of the Box aber nicht, weil man jedes Modell erst zusammenbauen muss und auch das händische Abmessen von Entfernungen in Zoll jetzt nicht unbedingt brettspieltypisch ist.

So eine richtig runde Sache ist die Necromunda-Grundbox also irgendwie nicht.

 

Nun ist aber gleichzeitig mit der Box auch das Gang Wars Erweiterungsbuch erschienen. Hier kommen Regeln für dreidimensionales Gelände dazu, die eine Partie Necromunda taktisch um ein Vielfaches interessanter machen. Einen großen Teil des Buches machen die Kampagnenregeln aus, die neben verschiedenen Szenarien, dem Ablauf einer Kampagne und Erfahrungsregeln für Gangmitglieder auch das Thema Gebietskontrolle einführen. Mit diesem Material sind wir auch wieder deutlich näher an dem, was Necromunda meines Erachtens damals so erfolgreich gemacht hat. 

 

Mit diesen Ergänzungsregeln bekommt man als Spieler auch wieder die Möglichkeit, vollwertige Necromunda-Gangs aufzustellen, mit Kids, Gangern, Champions und einem Boss. Dank der Multipart-Gussrahmen funktioniert die Individualisierung der einzelnen Modelle völlig ohne Schwierigkeiten. Positiv ist hinsichtlich dieser Regeln eine Änderung im Vergleich zum alten Necromunda anzumerken. Die Start-Ausrüstungslisten von Escher und Goliath unterscheiden sich in der verfügbaren Ausrüstung so massiv, dass sich die Banden auch stark unterschiedlich spielen. 

Wo Licht ist, ist aber leider auch Schatten. Denn Gang Wars beinhaltet nur die Regeln für die beiden oben genannten Gangs. Die anderen klassischen Necromunda-Gangs, also Orlock, Delaque, Van Saars und Cawdor werden zwar im Hintergrundmaterial erwähnt, ausserhalb des Fluffs sucht man sie aber vergebens. 

 

Nach aktuellem Stand erscheint jede weitere Gang in einem eigenen Buch, das neben der Gang auch Erweiterungsregeln für das Spiel beinhalten wird. Wer also Necromunda als „Vollversion“ spielen möchte, der wird letztlich ca 200€ für das vollständige Regelmaterial einplanen müssen. So sehr ich mich über die Rückkehr des Spiels auch freue, ist das doch ein Wehrmutstropfen. 

 

Mein Fazit zu Necromunda lautet daher: Solides Spiel, gut handhabbare Regeln und ein gepflegter Nostalgiefaktor. Mehr aber eben auch nicht. Was natürlich nicht heisst, dass ich nicht eine Menge Spass mit dem Spiel habe.

Kommentare (18)

  • FiendFriend

    17 Dezember 2017 um 02:25 |
    >Die anderen klassischen Necromunda-Gangs, also Orlock, Delaque, Van Saars und Cawdor werden zwar im Hintergrundmaterial erwähnt, ausserhalb des Fluffs sucht man sie aber vergebens.

    auf der necromunda webseite gibts Regeln für die alten Zinnmodelle. Inwieweit die vollständig sind weiss ich nicht.
    https://necromunda.com/wp-content/uploads/sites/5/2017/11/GER_Necromunda_Gangs_of_Legend_Download.pdf

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    • GregorM

      17 Dezember 2017 um 08:24 |
      Ich habe grad mal reingeschaut. Die Listen sind so gestaltet, dass du mit denen gegenüber den Eschern udn Goliaths wenig Land siehst. Die Gangs aus dem PDF zahlen für jede Waffe die vollen Punktekosten (Escher und Goliaths haben eigene Listen, teilweise mit vergünstigten Waffen) und haben keinen Zugriff auf Fraktionseigene Waffen bzw. fehlen viele Waffen, die es bei den alten Modellen gab, bisher in den Ausrüstungslisten.

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      • Lexstealer

        17 Dezember 2017 um 23:31 |
        Schwere Waffen bis auf das Maschinengewehr fehlen, ansonsten kaum etwas. Dafür finden sich etliche Waffen, die weder in der Escher- und Goliath-Hausliste noch in der Handelsstation erhältlich sind. Dort gibt es bisher keine Flammenwerfer, Plasmawerfer, Melter, Maschinengewehre, Bolter, Boltpistolen oder Flegel.

        Mag sein, dass die Listen schwächer abschneiden, aber mit der Aussage "wenig Land sehen" wäre ich vorsichtig.

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        • GregorM

          18 Dezember 2017 um 10:29 |
          Naja, die Ausrüstung der "alten" Gangs wird dadurch deutlich teurer (iirc kosten Lasergewehre für Escher zum Beispiel 10 credits weniger als im Handelsposten) und die Waffenprofile für die von dir genannten Waffen fehlen ja aktuell komplett.

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          • Lexstealer

            18 Dezember 2017 um 19:49 |
            Meinst du die schweren Waffen? Denn die aufgezählten Waffen finden sich nur in der Online-Liste. Ich weiß nicht, wie sich eine traditionelle Gang mit einigen traditionellen Waffen und eigenen Fertigkeitsprioritäten gegen eine Neo-Escher bzw. Neo-Goliath-Gang mit speziellen Discountwaffen, eigenen Spezialsachen und verändertem Profil schlägt. Wird interessant, denke ich.

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  • Denny Crane

    17 Dezember 2017 um 06:38 |
    Schönes Review, dem ich eigentlich in allen Punkten zustimme.
    Mich hatte es sehr überrascht, das die Gangs nicht aus Snap-Fit Figuren besteht, damit der reine Brettspieler leichter einen Einstieg findet. Für TT-ler sind aber normale Gußrahmen sicherlich erfreulicher um mehr Varianz zu haben.
    Die aufgeteilten Regelbücher sind auch für mich das schwächste Detail an der Neuauflage. Mal schauen ob mit der Zeit da dann auch besonderes Sonderequipment auftaucht, was Gangs wie Escher oder Goliaths benutzen dürfen. Dann hat GW es geschafft ein ähnliches Verkaufsmodell wie FFG mit ihren X-Wing Releases zu starten.
    Mir wäre lieber ein komplettes Buch mit allen Gangs lieber gewesen.
    Keine Ahnung mit was sie die kleinen Regelbücher(/hefte) mit Inhalt füllen wollen, wenn da nur eine einzige Gang abgehandelt wird.

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    • Denny Crane

      17 Dezember 2017 um 06:45 |
      Aber ich vergass:
      Wennn schän designte Ratlocks und Deleaques rauskommen, bin ich durchaus bereit aus nostalgischen Gründen da zumindest die beiden Gangs zu holen :-D

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    • GregorM

      17 Dezember 2017 um 08:22 |
      "Mal schauen ob mit der Zeit da dann auch besonderes Sonderequipment auftaucht, was Gangs wie Escher oder Goliaths benutzen dürfen."

      Das ist bereits der Fall. Die Goliaths haben einige exklusive Nahkampfwaffen und die Nagelkanone, die Escher haben ihre Stilettklingen und einen Chemo-Werfer.

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      • Denny Crane

        17 Dezember 2017 um 09:45 |
        Ah, da habe ich mich unglücklich ausgedrückt:
        Ich meinte neues Equipment in den neuen Büchern,welches auch von den bereits erhältlichen Gangs mitbenutzt werden darf. So das als Bsp ein Escher Spieler das Van Saar Buch nur für 3-4 neue Equipment Gadges kaufen müsste,wenn er alle Regeln ganz legal in schriftlicher Form haben wollte.

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  • SlayerZwerg

    17 Dezember 2017 um 09:56 |
    Sehr schönes Review...danke Gregor :-)
    Das mit dem zusätzlichen Regelwerken finde ich auch bescheiden, aber von den Minis selber bin ich begeistert

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  • Bowler

    17 Dezember 2017 um 12:14 |
    das mit den Zusatzbüchern ist aktuell eh alles rein Spekulation,
    aber habt ihr schon in Betracht gezogen das es nur ein oder zwei weitere Bücher geben wird, in denen dann die anderen Gangs aufgeführt werden?
    Ähnlich wie beim Blood Bowl. Würde in meinen Augen sehr viel mehr Sinn ergeben.

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    • GregorM

      17 Dezember 2017 um 12:29 |
      Vor dem Hintergrund, dass pro Quartal nach aktuellem Infostand von GW nur eine Gang erscheinen wird, würde mich das überraschen.

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      • Denny Crane

        17 Dezember 2017 um 13:46 |
        Wenn GW zuviele Gangsonderregeln inklusive Ausrüstung veröffentlichen würden, würde hier wieder dasselbe geschehen wie bei BB:
        Pro Monat x KS für "generische Sci Fiction Gangfights" während GW mit ihren eigenen Releases nicht hinterher kommt.
        Daher macht dieses gestückelte Releasen für GW Sinn....für uns heißt es halt Extrakosten.

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  • Thorsten

    17 Dezember 2017 um 13:56 |
    Eher Unboxing als Review. Trotzdem vielen Dank

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  • Lexstealer

    17 Dezember 2017 um 23:07 |
    Danke für das Review (also jetzt nicht für mich - hab mir auch alles gekauft^^). Aber ein paar Anmerkungen:

    Ich glaube nicht, dass das Spiel für den Brettspielmarkt gedacht ist. Man wird sich schon Gedanken über 3D-Gelände gemacht haben, aber das hätte den Preisrahmen für die Grundbox gesprengt. Selbst das Gelände von SW: Armageddon ist zu wenig für Necromunda und dort waren nur Wühltischminiaturen drin und keine neuen Bausätze. Also hat man sich für Zone Mortalis mit Pappböden entschieden - nachvollziebar.

    Die Trennung von Grundregeln und Kampagnen und für jede Gang und neue Inhalte ein neues Buch ist unschön, aber für GW als Ganzes ist Necromunda das Nebenspiel einer Tochterfirma, das sich möglichst auch selbst finanzieren sollte. Von daher nehme ich es FW nicht ganz so übel - wenn die Grundbox ihre Kosten halbwegs wieder reingeholt hat, sollte aber ein seperates Regelbuch Pflicht sein. Die Zeitabstände sind auch groß genug und als Gemeinschaftsspiel muss sich auch nicht jeder die jeweilige Erweiterung kaufen.

    Was in jedem Fall noch positiv erwähnt werden sollte sind der durchaus liebevoll zusammengestellte Hintergrund und das erfrischende Artwork.

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  • Grim

    18 Dezember 2017 um 05:47 |
    Nach dem ich das Größenvergleichsfoto gesehen habe weiß ich jetzt zumindest wo die neuen Primaris Marines herkommen. Die werden anscheinend im Underhive rekrutiert...

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  • Hybrid

    18 Dezember 2017 um 09:39 |
    Außer den hübschen neuen Artworks kann ich jetzt nicht wirklich erkennen, was am neuen Necromunda gut sein soll!
    - die Grundregeln sind zwar simpel, aber auch eben anspruchslos (was ich zumindest bisher gesehen habe)
    - die Modelle wirken irgendwie trotzdem monoton (keine Kids, keine hervorstechenden Spezialisten - kommt vielleicht ja noch)
    - Gelände kann man für den Preis auch nicht erwarten, da kann ja GW seperat was anbieten, ansonsten haben wir früher das Zeug auch mal selber gebastelt (okay wir hatten auch noch einen anständigen White Dwarf in dem tolle Anregungen und Tipps enhalten waren)
    - damit, dass es Erweiterungsregeln zusätzlich zu kaufen gibt habe ich kein Problem (Gang War soll ja das Spiel erst richtig spielbar machen), Regelschnipsel, verteilt auf alle möglichen Bücher und Codizes herauszubringen ist aber schon sehr dreist
    - Was ist das für ein dämlicher Maßstab? Warum sind die neuen Minis nicht kompatibel mit den anderen Figuren aus dem Hause GW? (Ja ich möchte die Gangs auch in 40k verwenden!).

    Mein persönliches Fazit: Danke Gregor, du bist nicht der Einzige mit so einer ernüchternden Kritik. Ich habe noch die alten Regeln und Einige der alten Figuren! Muss wohl den Bestand via ebay auffüllen!

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    • Lexstealer

      18 Dezember 2017 um 23:26 |
      Bei dem Maßstab wäre ich vorsichig. Die Escher sind durch Stöckelschuhe und höhere Baeses im Endeffekt nicht größer als einige vergleichbare 40k-Miniaturen. Die Goliaths sind im Hintergrund nun hochgezüchtete instabile Kreaturen von der Größe von Space Marines, von daher passt das schon. Der Space Marine als Vergleichsmodell ist so eine Sache - auch ein alter Gangboss oder Goliath- oder Cawdor-Heavy hätten nicht wirklich in die Rüstung gepasst.

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