#268 Sebbos Geschichtsstunde: British Riflemen

Willkommen zu Sebbos Geschichtsstunde!

Heute lernt Sebbo etwas über die „British Riflemen“ unter Zuhilfenahme der Modelle von Wargames Atlantic. Markus und Christian erklären was das Besondere an diesem Truppentyp war, welche Waffen sie benutzt haben und warum es dazu so viele coole Filme gibt.

Wenn ihr noch weitere Epochen oder Boxen besprochen haben wollt, freuen wir uns auch eure Vorschläge in den Kommentaren.

Und wenn wir irgendeine lustige Anekdote zu dem Thema verpasst haben: Erzählt sie uns, ebenfalls in den Kommentaren.

Viel Spaß beim Hören!

12 Comments on “#268 Sebbos Geschichtsstunde: British Riflemen”

  1. Moin,

    ich bleibe dabei… Ein ganz schwieriges Format. Es klingt am Anfang durch, dass die Briten (auch lt. Wikipedia) erst beim Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg Kontakt mit dieser Form der leichten Infanterie hatten.

    Das erscheint reichlich unwahrscheinlich, wenn in den deutschen Fürstentümern und Frankreich bereits im 17. Jahrhundert leichte Infanterie in offener Formation und besonderen Gewehren und Vorkenntnissen eingesetzt wurden (als Jäger, Füsiliere oder leichte Infanterie) und bei den Preußen und Habsburgern spätestens im 18. Jahrhundert.
    Wahrscheinlich haben die Briten kein Bedarf gesehen, aber auf dem Kontinent erscheint das Konzept durchgängig üblich (und vielleicht gar nicht unwahrscheinlich, dass es mit Militärberatern exportiert wurde – reine Mutmaßung meinerseits).

    Und ich habe gerade mal nachgeschaut: Auch im englischen Bürgerkrieg wurden bereits Scharfschützen eingesetzt (zumindest wenn man dem Sachbuch Ironsides des Österreichischen Milizverlags glauben darf).

    Eine konstruktive Kritik noch zum Schluss: Gebt doch gerne neben der Filmreihen – Empfehlung nochmal ein paar Stellen zum Weiterlesen an.

    Btw.: Ich empfehle sehr die Internetseite Kriegsreisende.de. Zwar bei einiger historischer Einordnung m.E. extrem schwierig, aber Militärhistorisch wirkt es sehr fundiert. Aber völlig von diesem Thema hier unabhängig – dazu gibt es nichts, glaube ich.

    1. Kriegsreisende.de würde ich nicht als Primäre Quelle lesen, aber ja ich kenne und mag die Seite sogar ein kleines Bisschen, da der Autor sehr viel über frühneuzeitliches Söldnertum vermittelt, und ich dort auch zum ersten Mal von der russischen Wagner-Gruppe las. Auch der Artikel über Freikorps im Baltikum konnte wieder ganz gut vergrabene Wissen aus der Schule hochspülen.

      Seine Analysen zu Blauhelmen als „moderne Mietregimenter“ vs. PMC haben halt ein bisschen Geschmäckle, ansonsten wirkt er aber seriös.

      Mal schauen, ob wir zu bestimmten Sachverhalten weiterführende Literatur empfehlen können, nach wie vor ist es ein Tabletop und kein Mititärgeschichtepodcast.

      1. Bzgl. Tabletop/ Historischen Podcast:
        Das ist genau das, was ich persönlich so schwierig finde. Ihr beleuchtet hier nur am Rande eine Box – Minis, im Mittelpunkt stehen vielmehr militärhistorische Hintergründe.
        Ich bin mir nicht sicher, ob allen Hörern immer klar ist, dass dieser Podcast eben keinen wissenschaftlichen Anspruch hat.

        Bzgl. Kriegsreisende: Die Gegenwartsbetrachtung ist speziell, wobei m.E. auch nicht unfundiert. Die Folgerungen muss man nicht mitmachen. In den historischen Themen konnte ich bisher kein Fehler finden.
        Klar handelt es sich eher um einfache Aufbereitung und nicht um Fachliteratur, den Anspruch dürften aber die wenigsten Hobbisten und ja der Podcast gerade nicht haben. Persönlich halte ich die Seite nur gelungener, als die sehr ausgiebig erwähnte Serie (wobei ich Cornwells Schreibstil nicht mag, aber er für Romane schon sehr fundiert historische Hintergründe beleuchtet und ich das auch der Serie nicht absprechen möchte).

        1. Dann werden wir einfach nicht müde werden, unsere Einleitung aus dem ersten Podcast zu wiederholen: Wir wollen Püppchen in den historischen Kontext setzen, sind aber keine Historiker. Der Schwarm ist immer schlauer als wir 😀

  2. Ich glaube, das 60th (Royal American) Regiment war das erste Rifle-Regiment, bzw. deren 5th Bataillon.

    Ist eine schöne Box.

    Im amerikanischen Bürgerkrieg sehen wir zwar noch die napoleonischen Linien, aber es gibt deutlich mehr Stellungskriege. Schützengräben sind auf einmal sehr wichtig und dadurch auch der Verbund der Waffen noch einmal anders.
    Es gab da ja auch schon Versuche, sich nachts mit großen Verbänden an die feindliche Stellung zu pirschen. Aber grundsätzlich natürlich richtig, nach dem ACW hört der Quatsch mit den Linien auf

      1. Wahrscheinlich haben wir das nicht deutlich genug herausgehoben, da es uns um die 95th Rifle und nicht unbedingt um die Historie der Leichten Infanterie ging.

        Es gab schon lange vorher Leichte Infanterie mit Schusswaffen. Schon 1631 stellte der Landgraf von Hessen-Kassel eine Jägereinheit auf, hessische Jäger waren im Unabhängigkeitskrieg im Einsatz. Franz. Chasseurs, Voltigeurs und Tirailleurs waren auch als Leichte Infanterie im Einsatz, und setzten den Briten in den Niederlanden schwer zu. Und meistens nutzten sie Musketen
        Und schon vorher wurden Dragoner und „Commanded Shot“ so und als berittene Infanterie eingesetzt, bevor sich die Dragoner zu schwerer Kavallerie wandelten. Als Musketiere noch Lutenschluss benutzten, kam hier das Steinschloss in Mode

        Gezogene Läufe gibt es schon seit dem 16. Jahrhundert. Jagdwaffen mussten schon immer über höhere Reichweite präzise schießen und Jägergewehr und Long rifle waren vorhanden. Sie wurden aber nicht massiert eingesetzt. Die Baker Rifle ist hier quasi die erste militärische Standardisierung, mit der ganze Einheiten ausgerüstet wurde.

        Und eben diese Kombination aus Taktik&Drill, Bewaffnung und Standardisierung schaffen hier eine neue Ebene, welche dann langsam zu einer Militärtaktischen Wende führt.

        Schnellfeuerwaffen (Gatling , Mitrailleuse) waren schon 1860 verfügbar, aber erst Änderungen am Pulver und Lademechanismuss führten1885 zum Maxim-MG, und von da waren es noch 30 Jahre, bis die zerstörerische Wirksamkeit erst richtig bewusst wurde. Die Faktoren müssen halt zusammen spielen.

        Einen Punkt noch zu Schwächen dieser Taktik von Plänklern: Sie waren verwundbar gegen (Leichte) Kavallerie, wenn sie sich nicht in einer dichten Formation zusammen ziehen konnten. Aber das versuchte man ja oft durch das Gelände zu vermeiden.

    1. puh, ich habe nun nur kurz gegraben, aber das 5th Battallion des 60th (Royal American) Regiment wurde als Leichte Infanterie ausgehoben und waren tatsächlich auch ausschließlich mit Rifles ausgestattet (vermutlich importierte deutsche „Jägergewehre“, als sie 1797 aufgestellt wurden, die ersten vier anderen Battallione waren aber noch reguläre Linieninfanterie mit älterer Historie. Das waren aber noch „Rotröcke“, die Baker Rifle wurde 1800 als standardisierte Waffe in den Dienst genommen, und landete zu erst beim 95ths.
      Da das 5th Battalion aber auch im Halbinselfeldzug bekannt wurde, von Wellington belobigt wurde und auch bei Talavere dabei war, sind unsere Aussagen ziemlich austauschbar 🙂

      Sezessionskrieg: Ja, die Stellungsgefechte waren auf dem Östlichen Kriegsschauplatz schon ein Punkt, abgesehen von den prominenten Belagerungen (die es vorher auch schon gab, auch wenn ich den Krim-Krieg für die Epoche natürlich hervorhebe) war hier doch noch viel Bewegung im Spiel.
      Wie wurde es Mal schon in einer Übersicht zusammengefasst: Am Ende des Konflikts konnte man alle Einheiten als Leichte Infanterie begreifen.

  3. Was man evtl. für den Kontext der historischen Entwicklung der leichten Infantrie zur modernen Infantrie anmerken sollte. Der wirklich große Gamechanger (IMO) war die Entwicklung des Minie-Geschosses um 1849.

    Die Kombination aus einem beim Laden unterkalibergroßen Geschoss (ähnlich den alten Musketenkugeln) und gezogenen Läufen machte auch nachgerüstete Musketen (mit nachträglich eingeschnitten Zügen) plötzlich zu weitreichenden und präzisieren Waffen als die alten Glattrohr-Musketen. Die effektive Reichweite stieg um den Faktor 2 bis 3 ohne das die Lade-/Feuergeschwindigkeit durch das aufwendige Einschlagen der früheren laufgroßen Kugeln in die Gewehre notwendig war (einer der Gründe warum halt Linie-Infantrie vorher nur mit Musketen kämpfte).

    Das Geschoss dehnt sich bei der Schussabgabe auf Kalibergröße auf und kriegt dann über die Züge seinen Drall. Dieser Entwicklungsschritt sorgte ja gerade im Krim-Krieg und später im Amerikanischen Bürgerkrieg für die horrenden Verlustzahlen weil ja zum Teil noch mit der Takik aus den Napleonischen Kriegen gekämpft wurde und erst im Laufe der Krieg sich die Taktik entsprechend anpasste (Siehe Stellungskrieg im Amerikanischen Bürgerkrieg).

    1. Danke für die Erläuterung, gebe ich den Kollegen für den ACW Mal mit.

      Ich habe leider Nix mehr zur Wundwirkung der Minie-Geschosse gefunden, weiß aber, dass die Militärärzte ziemlich schockiert waren und dass auch für die hohe Amputationsquote verantwortlich gemacht wurde.
      Kann mir das gut aus der Kombination weiches Geschoss + hoher Drall herleiten.

      Aber wir schweifen ab und der ACW ist so gar nicht meine Epoche 🙂

      1. Die Mündungsgeschwindigkeit gegenüber den alten Musketenkugeln war ja wahrscheinlich auch sehr viel höher, da mehr Druck auf das Projektil wirken konnte als bei den klassischen Kugeln wo viel Druck verloren ging.

        Die Gründung des Roten Kreuzes geht wohl auch auf die Wirkung dieses Geschosses auf die Kriegsführung zurück.

        Alle Infanteriegewehr Munition orientiert sich ja an diesem Geschosstyp, deswegen sehe ich halt darin einen wesentlichen Game Changer. Hinterlader und Mehrlader Gewehre befeuern ja dann nur noch die weitere Auflösung des Infanteriegefechtes bis man eben am Scheitelpunkt des 1. Weltkriegs ankommt und das Gesamtkonzept Infanterie noch mal wieder neu überdenken muss.

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