Turnierbericht: Meuterei am Main XII

Es war mal wieder ein Freebooter’s Fate Turnier und mal wieder war Christian dort und will euch davon berichten…

Ihr lest immer noch weiter? Das ist gut, denn dieses Turnier war zwar nicht direkt ungewöhnlich, aber absolut berichtens- und bemerkenswert. Wie schon so häufig werde ich meinen Bericht wieder dreiteilen. Zuerst werde ich kurz über die Turnierorganisation, den Ablauf und die Ergebnisse berichten. Dann präsentiere ich  euch Tische und Mannschaften in Bildergalerien. Im zweiten Teil gehe ich in mehreren Galerien auf einige gespielte Partien, Gegner und Szenarien ein und analysiere die Partien. Im dritten Teil  muss ich über das Turniermeta sprechen und ein paar Thesen meiner Mitspieler diskutieren.

Denn das Turnier fand an einem wirklich miesen Tag für mich statt. Zum Glück waren aber über ein Drittel der Teilnehmer Magabotatos und ich hatte viel Bier mitgebracht. Ich hoffe, ihr seid auf mein Gejammer nun vorbereitet.

Das Turnier

Nun schon zum zwölften Mal hatte der Asgard e.V. am 06. Oktober 2019 in seine Räumlichkeiten nach Aschaffenburg eingeladen. Dementsprechend gut und ausgereift war die Organisation durch Thomas und Florian, die wir inzwischen gut kennen. Da den Organisatoren klar war, dass dies ihr letztes Turnier nach Freebooter V1 Regeln sein würde, probierten sie zwei interessante Dinge aus. Auf dem Turnier würden Legenden zugelassen sein. Ebenso planten sie all jene Szenarien zu spielen, die sie auf den letzten Turnieren weniger oft angeboten hatten.

Die Auslastung der Anmeldungen war zuerst recht gut, am Ende traten vierzehn Spieler an, wobei auch beide Organisatoren mitspielten. Das Teilnehmerfeld war auf den ersten Blick recht divers. Einige spielten ihr erstes Freebooter-Turnier, während andere Spieler in den Top5 der NTR zu finden waren. Dabei sollte man sich aber nicht täuschen lassen, dass alle Mitspieler erfahrene Tabletopper waren und auch grundlegende Erfahrung in Freebooter’s Fate besaßen.

Gerade diese neuen Spieler befruchteten sehr die Bemalwertung, da man mal neue Mannschaften und sehr unterschiedliche Malstile zu sehen bekam.

Sehr schön fand ich, dass als bestbemalte Armee die Imperiale Armada von Konrad „Schattenhirsch“ Draude gekürt wurde. Schon aus dem Freebooters-Forum bekannt, überzeugte Konrad mit einem sehr realistischen Stil.

Auch bei den Tischen herrschte Vielfalt

Auch wenn die Tische überwiegend zweidimensional waren, konnte man Deckung und Höhenunterschiede nutzen.

Am Ende waren wir Magabotatos in allen Bereichen des Teilnehmerfeldes zu finden, wenn auch nicht immer da, wo man mit uns gerechnet hätte, ich hatte genug Leute mit badischem Bier versorgt und es war ein gelungenes Turnier. Klarer Turniersieger war dieses Mal der Organisator Florian “Nirnaeth Väth” mit seinen Amazonen.

Ich muss immer wieder eine klare Empfehlung für diese Turnierorga aussprechen, ich werde sicher wieder kommen. Und zwar zur dreizehnten Meuterei am Main, am 02,02,2019

Mein Weg auf dem Turnier

Ich sage es gleich vorne weg: ich hatte mich unglaublich auf das Turnier gefreut, die Vorbereitung war recht stressfrei, aber emotional anspannend – nur am Turniertag war für mich der Wurm drin.

Eigentlich hatte ich mir für dieses Turnierjahr vorgenommen, meine Bruderschaft zu spielen. Nun hatten sich aber Tom und Michael schon recht früh zu diesem Turnier angemeldet, und Tom würde auch mit der Bruderschaft antreten. Da ich plante, Tom direkt zu fordern (wir hatten da noch offene Rechnungen…) wollte ich kein Spiegel-Match, also entschied ich mich für Piraten. Das passte gut, da es schon weitere Bruderschaften und viele Goblin-Spieler gab, aber nur ein weiterer Piratenspieler gemeldet war.

Dann las ich aber noch mal  die Turnierinformationen, und mir fiel auf, dass ja Legenden erlaubt waren. Die Legenden der Piraten habe ich zwar, mag sie aber nicht sooo sehr. Da ich aber auch beide Legenden der Goblins besitze und die richtig spaßig finde, meldete ich mich auf Goblin-Piraten um. Ich entwarf eine nette Beschussliste um Maestro Cerebro, eine Gefolgeliste um Käptn Ragg, und bastelte am letzten Abend noch Marker fertig und packte meine Goblin-Mannschaft in meine kleine Figurentasche.

Als Felice und ich dann am Morgen in Aschaffenburg ankamen und unsere Mitbringsel auspackten, fiel uns auf, dass meine kleine Figurentasche nicht dabei war. Aus Gewohnheit und für Diskussionen hatte ich meine große Tasche mit allen Regelbüchern und frisch sortierten Modellen dabei – sprich, ich hatte ALLES Freebooter-Material außer der Mannschaft, die ich spielen wollte, mitgenommen…
….Naja, dann erstellte ich mir also 15 min vor Turnierbeginn noch handschriftlich zwei nette Piratenlisten, markierte Baserückseiten und trat doch mit Piraten an. Kismet – nur die Harten kommen in den Garten.

Meine Mannschaften

Beide Mannschaften waren aus Verlegenheit geboren, aber ich hatte ja schon einen groben Plan.

Christians Piraten
1. Mannschaft – Piraten im Nebel

Regicide

2 Seeleute
Tiadoro
2 Matelots

Big Jenny
Mono

Diese Mannschaft hatte ich mir für das erste Szenario zurechtgelegt, in dem man Kürbisse sammeln musste und Sichtbehinderung herrschte. Daher wollte ich viel Gefolge spielen. Regicide ist meine Lieblingsanführerin und günstig, Mono wollte ich, um auch einen schnellen und nahkampfstarken Spezialisten zu besitzen. Wegen der geteilten Aufstellungszone packte ich noch Big Jenny ein, die als Sergeant den Befehl übernehmen konnte. Wieder einmal erwies sich der Listenbau bei den Piraten als anspruchsvoll, da man eben keine nennenswerte Kostenvarianz beim Gefolge besitzt, ich mich bei den Spezialisten aber festgelegt hatte. Deshalb bekam ich auch keinen weiteren Spezialisten unter, denn ich hätte gerne mit dem Schwarzen Nick die Bruderschaft ihre eigene Medizin schmecken lassen.

2. Mannschaft – Musketenparade

Pirate Queen+Reichweite

2 Tiadoras
Matelot
Piratin

Curly Ann
Schwarzer Nick

Die zweite Liste stand unter dem Thema Beschuss. Oft wird unterschätzt, wie viele Musketen Piraten aufstellen können, auch wenn diese nicht so gefährlich wie jene der Armada sind. Daher waren die Tiadoras und Curly Ann gesetzt, für Long John fand ich keinen Platz, die Pirate Queen konnte auch gut mit ihrer Pistole austeilen. Den Schwarzen Nick nahm ich rein, weil er gut von den Heuerkosten passte. Den Rest füllte ich mit Matelot und Piratin auf, da diese die hübscheren Modelle sind. Meine Anführer und Spezialisten konnten auch gut im Nahkampf austeilen und der Powermonkey der Pirate Queen sollte Kadenz liefern.

Partie 1 – Calabassa-Jagd gegen Toms Bruderschaft

Auf diese Partie war ich eingestellt, hatte ich doch von Anfang an den Plan, Tom zu fordern. Er entschied sich für folgende Mannschaft

Dottore

Conscritti
Harlekin

Adombra
Piccina
Fith’Aarch
Schwalbe

Also eine sehr elitäre Liste, die sehr beschussstark war, aber keinen einzigen hinterhältigen Angreifer besaß.

In diesem Szenario mussten wir bei durch Nebel reduzierter Sichtweite Kürbisse mit Maden aufsammeln, wobei die wertvolleren sich im Zentrum befanden. Das Szenario wurde wieder mit der von mir so sehr geschätzten geteilten Aufstellungszone gespielt. Tom bildete einen gefährlichen Beschussblock aus Adombra, Schwalbe und Fith’Aarch auf der einen Kanalseite, während mich von der anderen Ecke Piccina mit ihrer Armbrust und ständigem Abwarten in Schach hielt. Durch ungünstige Modellaktivierungen verlor ich schon früh den Tiadoro und Big Jenny gelang es durch Pech nicht, Unruhe in seinen Beschussblock zu bekommen. Auf der anderen Seite konnte ich aber Piccinas Reichweite gut abschätzen und auskontern, so dass ich meine Modelle in Deckung und ins Zentrum brachte.

Ich entschied mich dagegen, mit Mono Piccina und den Dottore direkt anzugreifen, sondern dafür, seinen anderen Beschussblock und damit den vorausgeeilten Fith‘Aarch unter Druck zu setzen. Fith’Aarch und Mono nutzten sich durch ihre unterstützenden Modelle gut ab, wobei das Highlight war, als Mono beim Versuch den Kanal zu durchschwimmen und Basekontakt herzustellen, auf einer Bananenschale ausrutschte und wehrlos im Wasser trieb. So etwas passiert wirklich nur mit den Ereigniskarten von Freebooters!
Obwohl Tom einen deutlichen Materialvorteil besaß, hatte ich die bessere Stellung, Piccina durch die verringerte Sichtweite unter Kontrolle und auch seine Gefolgemodelle ausgeschaltet. Also sammelte ich fröhlich Kürbisse ein, so dass ich auch einen der wertvollen Dreier-Kürbisse hielt. So begannen die letzten Runden. Ich versuchte mit meinem Seemann noch genug Kürbisse zu sichern, um mir die entsprechenden Zusatzpunkte zu holen, mein restliches Gefolge sollte sich von Toms Beschussblock fern halten und ihre Kürbisse verteidigen. Die Lage war nicht Ideal, meine Anführerin Regicide stand nicht im Zentrum und der eine noch nicht entdeckte Kürbisse auf Toms Kanalseite musste ein 3er sein – aber ich hielt auch so die Mehrzahl an Kürbissen und Maden und Toms Modelle konnten mir nicht mehr viel anhaben. Ich brauchte zwar Basekontakt und zwei Modellaktivierungen, um Kürbisse durchzutauschen, aber es sah alles nach einem knappen Sieg für mich aus.

Tom ist ein erfahrener Spieler und sah auch, dass er da nicht mehr viel machen konnte, außer den Abstand zu verringern. Also zog er die leergeschossene Schwalbe zu dem Kürbis, welchen er so lange ignoriert hatte und ging in der siebten Runde mit seinem Dottore noch in Basekontakt zu meinem Matelot, der den 3er Kürbis hielt. Insgeheim freute ich mich über den riskanten Zug, da ich gleich drauf auch noch zusätzlichen Basekontakt mit meiner Seefrau herstellte, und seinen Anführer in die Mangel nahm. Dann verließ mich aber Fortuna. Trotz etlicher Attacken und Trefferboni durch Überzahl schaffte ich es nicht, den Dottore auszuschalten, auch nachdem ich in der achten Runde noch die Initiative gewann. Umgekehrt schaltete Toms Dottore dann direkt meinen (angeschlagenen) Matelot aus, so dass ich keinen 3er Kürbis mehr hielt.

Dadurch hielt Tom mehr Maden als ich, hatte mehr Modelle ausgeschaltet und sich Zusatzpunkte geholt, so dass die Partie deutlich an ihn ging.

Fazit

Es war mal wieder so eine Partie, in der man das Meiste richtig macht, dann aber durch Pech und die Summe an kleinen Fehlern verliert. Vor allem, dass am Ende der Ausgang so deutlich sein würde, hatte Tom dann doch überrascht. Ich musste am Anfang schnell mit viel Materialverlust zurechtkommen, fand dann aber durch konsequentes Spiel aufs Szenario in die Partie. So geschickt Tom den Kanal für sich nutzte, so sehr konnte ich die limitierte Sichtweite verwenden um seine Fernkämpfer auszukontern.
Nicht ideal war mein Lavieren mit Regicide, die ich wieder vor allem als Befehlsgeberin nutzte und welche die Flanke gegen Piccina sicherte. So konnte ich aber das Zentrum halten und Tom kam mit seinem Beschussblock auch nie über den Kanal. Einige meiner Kürbisse setzte ich zu riskant ein, wie jene, die Mono noch hatte, als er ausschied. Dass des Dottores Himmelfahrtskommando klappen würde und er ziemlich unverletzt die Prügel meiner Gefolgsleute überstand, war verwunderlich, aber das Modell hat nicht umsonst Widerstand 4 und Zäh – so ist halt Freebooters.

Partie 2 – Sichert das Schießpulver gegen Florian Bönkes Amazonen

Genau gegen diese Liste hatte ich dieses Szenario schon mal gespielt und Florian 14:0 besiegt – nur dieses Mal spielte ich eine andere Mannschaft auf anderem Gelände. Wir entschieden uns dafür, den Fluss als seichtes Gewässer, also nur „verlangsamend“ zu spielen. In diesem Szenario ging es darum, das eigene Schießpulverfass zu verteidigen und die neutralen und das fremde Fass zu plündern und zu sprengen. Auch wenn die vielen Pflanzen tendenziell die Amazonen etwas bevorzugten, gab es viel Freiraum und Florian ersetzte auch nur einen Felsen durch einen Wald. Dementsprechend wählte ich meine Beschussliste, wo er mit folgender Liste antrat.

Yolcameh

2 Tempelwächterinnen
Chicomeh

Canita
Nenetzin
Totol

Schon während der Aufstellung wurde es interessant. Florian hielt sich eher in Deckung, während ich aggressiv Waldrand und Flussufer mit meinen Musketen besetzte und auf meiner rechten Flanke einen Durchbruchstrupp aus dem Schwarzen Nick, der Piratin und dem Matelot bildete. Dabei verweigerte ich ihm die linke Flanke, da ich sicher war, aufgrund der dort platzierten Totol und einer potentiell dort auftauchenden Nenetzin oder Yolcameh ihm sowieso nicht standhalten zu können. Damit schenkte ich ihm gleich ein Fass, aber auf dem Weg zu meinem müsste er durch das Feuer von drei Musketen und der Powerdermonkey+Reichweiten-Pistole meiner Pirate Queen. So holte sich hier Totol auch nicht mehr als eine Hand Schießpulver bevor sie das Fass sprengte und sich wieder zurückzog.

Im Zentrum fand das Duell Feuerkraft gegen Kadenz statt, wo meine abwartenden Tiaroros und Curly Ann die Amazonen abnutzten und Nenetzin im Kugelhagel starb. Ein früher Treffer von Canita auf die Pirate Queen zwang diese aber in die Deckung des Waldes. Mein Angriffstrupp lief in seine Tempelwächterinnen, aber gerade der Schwarze Nick entwickelte die Wucht einer Naturgewalt, als er sich durch das Gefolge metzelte. Allerdings ist Canita immer noch eine fiese Heckenschützin und schoss ihn mir in die Flucht, wo sein Einzelgängertum nachteilig ist.

Mit etwas Materialvorteil und meinen vorrückenden Musketenschützen wollte ich nun den Sack zumachen. Immerhin hatte ich noch sechs Modelle (teilweise angeschlagen), er aber nur noch drei (alle frisch). Und genau dies entwickelte sich zum Problem. Ich schickte zwar meine Matrosin in seinen Rückraum, um ihm endgültig die Initiative zu nehmen, aber gezielt schoss er den Matelot vom Fass weg. Ich scheiterte daran, nennenswerten Schaden zu machen. Durch den glücklichen Gewinn der Initiative durch Florian unterbrach er meine Angriffsbewegung und schaltete durch einen Sturmangriff mit Totol Curly Ann aus, bevor diese selbst in den Nahkampf gehen konnte. Zu diesem Zeitpunkt kam mir schon gar nicht mehr in den Sinn, mich nun punktesichernd etwas zurückzuziehen, sondern ich setzte den Angriff fort. Hier ging mir dann durch die schon erlittenen Treffer die Puste aus, sodass Florian mich ohne weitere Modellverluste aus dem Spiel nahm. Da wir aber schon in der letzten Runde waren und er nicht mehr riskieren wollte, Totol durch eine Fassexplosion zu verlieren, beschränkte er sich darauf, nur das zweite neutrale Fass zu plündern und nicht mehr zu sprengen. Auch er war sehr überrascht, wie sich diese Partie noch gedreht hatte. Im Szenario kam ich noch glimpflich davon, auch wenn Florian hier trotzdem mehr Punkte hatte, aber in Sachen Heuerlisten was es klar, sodass auch er hier einen deutlichen Sieg davon trug.

Fazit:

Mein Gambit ging nicht auf. Indem ich die linke Flanke aus Respekt vor Nenetzin und Totol verweigerte, hoffte ich ihn über die rechte Flanke aufrollen zu können. Meine Kontrolle des Zentrums durch die Musketen der Tiadoros und Curly Anns klappte zwar ganz gut, aber ganz so viel Wucht wie die Imperiale Armada entwickelt man dann doch nicht und die Amazonen müssen bei ähnlicher Feuerkraft nicht nachladen. Der Schwarze Nick wurde zu früh ausgeschaltet und statt dann meine Überlegenheit zu nutzen und auf Unentschieden zu spielen und die Amazonen kommen zu lassen, versuchte ich dann weiter anzugreifen. Dazu kam Pech – dass die Amazonen gut austeilen können, ist allgemein bekannt.

Partie 3 – Schatzgrabung gegen Sebbos OLHG

Ich hatte mich ja auf die Eventualität, gegen Sebbo antreten zu müssen, vorbereitet, hatte dem aber eine eher geringe Wahrscheinlichkeit zugeordnet. Nun denn, dafür hatte ich ja genug Bier mitgenommen. In diesem Szenario ging es darum, seine eigene, mit 30 cm Durchmesser auch ziemlich große, Schatzgrabungszone vom Gegner frei zu halten, und die des Gegners für die dreifache Belohnung zu besetzen. Eine Besonderheit dieses Szenarios war, dass insgesamt nur 700 Ru(h)mpunkte im Szenario verteilt werden, sodass man durch primäres Verteidigen der eigenen Zone eher auf Unentschieden spielte, eher aggressives Vorrücken riskant, aber lukrativ war.

Sebbo hatte sich ja seine Mannschaft von Michael „Bratspieß“ geliehen, den ich bei der Erstellung dieser simplen, aber effektiven Liste unterstützt hatte. Sie lautete wie folgt:

Kapitan Roja

Schwalbe
Eugenie
Senora Ya Va
Cracy Perez
Ibubesi
El Curandero

Aber auch so wäre ich als geübter Spieler auf die Fähigkeiten dieser Mannschaft vorbereitet gewesen, ohne sie mit erstellt zu haben.

Ich spiele wieder meine Fernkampfliste. Wieder sollten meine Musketen meine Aufstellungszone verteidigen und meine anderen Modelle stürmen. Dabei hatte ich den Vorteil der höheren Reichweite und fieserer Nahkämpfer und etwas mehr Kenntnis, wie ich das Gelände und Abwarten zu meinem Vorteil nutzen könnte, Sebbo hatte aber durch Schwalbe und Senora Ya Va mehr Feuerkraft auf mittlerer Reichweite und mit Roja und Cracy Perez noch ein Ass im Ärmel.

Der Spielablauf war direkt, brutal und lustig. Wir beide rückten über den jeweils linken Flügel vor. Sebbo lernte die Reichweite und den psychologischen Effekt des Abwartens kennen und entschied sich, es eher über das Zentrum zu versuchen, während Ibubesi sich weit außen herum in Richtung meiner Zone schlich. In der zweiten Runde fand ich die Gelegenheit, Sebbo auszuaktivieren und überraschend mit angeschlagenen Modellen seine Zone einzunehmen. Wie zu erwarten war, hielt das aber nicht lange und Sebbo holte sie sich gleich wieder zurück. Senora Ya Va konnte ich durch einen kritischen Treffer im Kopf entscheidend schwächen und in Einzelkämpfen auch Schwalbe und Crazy Perez ausschalten. Umgekehrt gelang mir dies nicht ohne entscheidend geschwächt zu werden und der Schwarze Nick wurde auch nach seinem ersten schweren Treffer in Panik versetzt, worauf hin er den Rest der Partie damit verbrachte, brutal entspannt davon zu schlendern, ohne sich noch mal zu sammeln. Als der Staub sich legte, hatte Sebbo meinen Angriff abgewehrt, aber ich leichten Szenariopunktvorsprung.
Ibubesi und mein Tiadoro lieferten sich ein lustiges Duell, wer sich jeweils nach dem Treffer schneller wieder zurückzieht, sammelt und erneut zuhaut. Durch die vorhandenen Modelle gelang es Sebbo aber in der letzten Wertung noch meine Zone zu besetzen, sodass wir gleichzogen.
Da Sebbo einen Hauch mehr Heuerkosten ausgeschaltet hatte, obwohl ich hoch für Ibubesi zog und wir die Szenariopunkte genau gleich aufgeteilt hatten, war es ein Unentschieden zu Gunsten von Sebbo.

Fazit
Es mag am Bier und meiner Resignation über den Turniertag gelegen haben – aber dies war die entspannteste und unterhaltsamste Partie des Tages. Pläne die scheiterten, Glück, Pech und aberwitzige Situationen prägten sie. Falsch hat keiner was gemacht, auch wenn wir sicher optimaler spielen hätten können. Wir hatten einfach Spaß und ich wollte nur noch den Tag vernünftig ausklingen lassen.

Endfazit.

Es war nicht mein Tag. Mannschaft vergessen, zwei Siege in letzter Minute vergeben, ein entspanntes Unentschieden. Ich will jetzt nicht an meinen Heuerlisten herummäkeln, da diese im letzten Moment entstanden. In einigen Situationen hätte ich Modelle effizienter aktivieren können, im Großen und Ganzen denke ich, dass ich vor allem Pech hatte und nicht auf meiner spielerischen Höhe war. Da Michael viel deutlicher verloren hatte, aber ja gar nicht anwesend war, landete ich so auf dem quasiletzten Platz, bekam aber so trotzdem noch NTR Punkte 😉 Schade, dass er nicht da war.
Aber (wieder einmal) hatte ich einen zentralen Fehler gemacht: ich hatte vergessen, mein Piratengefolge mit Namen zu versehen… Kein Wunder, dass sie nicht immer ganz auf ihrer Höhe waren.

 

Turnier und Metanalyse

Was macht nun diese Meuterei am Main so besonders? Auf dem Turnier hatte ich die Gelegenheit mit erfahrenen Freebootersspielern, Organisatoren und Turnierspielern zu sprechen und einige Thesen zu erörtern. Hier eine Auswahl:

  • Gelände ist Schicksal
    Ich sage nach wie vor, dass die Platzierung von Turniergelände eine eigene Kunstform ist. Ich war mit dem Gelände hochzufrieden. Der ein oder andere Teilnehmer wusste jedoch an verschiedenen Platten herumzumäkeln, wie zum Beispiel der Inselplatte. Dennoch wurden Gelände, Tische und Szenarien in der T3-Rückmeldung als gut bis sehr gut bewertet. Ich denke hier ist viel Anpassungsfähigkeit gefragt, gerade bei bestimmten eher nahkampflastigen Mannschaftskonzepten war Flexibilität angesagt. Generell schlugen sich geländegängige Mannschaften und Fernkämpfer ganz gut.
  • Legenden und ihr Einsatz
    Ich hatte ja meine Mannschaften mit dem maximalen Einsatz an Legenden geplant, dann aber daheim vergessen. Aber auch von anderen Spielern sah ich keine oder kaum Legenden im Einsatz. Tom hatte Raven eingepackt, spielte sie aber kein einziges Mal, da er seine Fernkampfmannschaft in allen drei Szenarien bevorzugte. Michael (auch wenn er ja nicht da war) hatte Calamite im Einsatz, aber schnitt nicht sehr erfolgreich ab. Alle anderen hatten entweder keine Legende oder setzten sie nicht ein. 500 Dublonen stellen auch ein sehr knappes Budget dar, in dem man sich ein Modell mit 100+ Dublonen Heuer sehr genau überlegt.
    Damit dominierten die Legenden, entgegen meiner Befürchtung, eben nicht das Turnier und erwiesen sich auch nicht als übermächtig. Aber eine Aussage über die Spielstärke von Legenden in so einem Turnier liegt eben auch nicht vor. Ich würde mich über weitere Turniere mit zugelassenen Legenden freuen, aber dazu müssen erst mal Profile für die zweite Edition erstellt werden. Wir werden sehen, was da kommt.
  • Mystik
    Nach wie vor spielten nur wenige Spieler Mystiker, tatsächlich sah ich sie nur beim Erst- und beim Letztplazierten im Einsatz. Mal sehen, wie da die zweite Edition ankommt, in der die Mystik organischer eingepasst ist. Hier war die Mystik definitiv nicht spielentscheidend, aber ein nützliches Werkzeug, auf das man sich aber nicht verrennen darf.
  • Szenarien und Massenmannschaften
    Mit am Ende tatsächlich drei angetretenen Goblin-Mannschaften und einer Kult-Mannschaft und Szenarien, die ich aus meiner Erfahrung als eher einfacher für Massenmannschaften empfand, fürchtete ich, dass dieses Turnier von diesen dominiert werden würde. Das Gegenteil trat ein. Gerade die Goblins schnitten unterdurchschnittlich ab, obwohl durchaus erfahrene Spieler anwesend waren. Umgekehrt schnitt die Imperiale Armada sehr gut ab, obwohl kein Armadaspieler mehr als 4 Gefolgsleute einsetzte. Da ich selbst gegen keine besonders elitäre oder kopfstarke Mannschaft antreten musste, kann ich keine tiefere Analyse bieten. Alle meine Gegenspieler spielten mit sieben Modellen, was gemeinhin als vernünftiges Turnierminimum bei 500 Dublonen angesehen wird, ebenso waren auch die Mannschaften der drei Spieler auf dem Siegertreppchen strukturiert.
  • Das Schweizer System
    Man mag es nicht glauben, aber es wurde sogar so etwas Grundlegendes wie das Schweizer System diskutiert und kritisiert. Ja, natürlich funktioniert es noch besser, wenn es über fünf und nicht nur drei Partien angewendet wird. Und natürlich gehört etwas Glück dazu, da sich zwei starke Spieler gegenseitig kompensieren können und so der Verlierer einer solchen epischen Partie hinter einen mittelmäßigen Spieler zurück fällt. Zusammen mit der Wertungsmatrix empfinde ich aber dieses System noch immer als das Geeignetste für solche Turniere, auch wenn die mittleren Ränge etwas zufällig verteilt werden und ein Unentschieden in der ersten Runde taktisch besser sein kann als ein Kantersieg, da man eher auf schwächere Gegner trifft, die mehr Wertungspunkte einbringen können.
  • Abschneiden des Teilnehmerfeldes
    Hier kann man wieder zwei Blickwinkel haben. Einerseits sind viele Dinge für ein Freebooters-Turnier nicht besonders überraschend. Es gibt eine klare Spitzengruppe und ein sehr enges Mittelfeld. Erfahrene Spieler haben sich durchgesetzt und weniger erfahrene Freebooters-Spieler sind im unteren Mittelfeld zu finden. Tom schaffte es knapp nicht aufs Siegertreppchen und gerade Florian hat dieses Jahr einen guten Lauf und sich mit diesem Turnier auch an die Spitze der NTR gesetzt. Er war jahrelang der in meinen Augen – verglichen mit seiner tatsächlichen Erfahrung – am deutlichsten unterbewertete Turnierspieler, da er so selten antrat.
    Umgekehrt wurden viele Regeln auf den Kopf gestellt. Mehrfach schnitten erfahrene Spieler schlechter ab, als man erwarten durfte. Der regelmäßige Turniergewinner Daniel Bönke wurde von seinem Bruder Florian überholt, aus dem Stand schafften es neue Spieler wie Konrad „Schattenhirsch“ oder unser Hannes „HannesSolo“ aufs Siegertreppchen, während erfahrene Spieler wie ich oder Michael (wäre er denn da gewesen…) deutlich die letzten Plätze besetzten.

Was kann man daraus schließen? Vielleicht ist Freebooter’s Fate gar keine Turniersystem? Aber dafür sind die Turniere einfach zu unterhaltsam, um sich davon abschrecken zu lassen. Denn die dreizehnte Meuterei ist schon in Planung

Was haltet ihr von diesem Turnierbericht? Möchtet ihr irgendetwas noch genauer wissen oder wärt ihr schon mit weniger Informationen zufrieden? Und was sind eure Gedanken zu den Thesen und Bildern?

Ich freue mich auf eure Kommentare.

Über Christian

Christian hat schon sehr lange, sehr ausführlich und sehr oft Beiträge auf Magabotato kommentiert bevor er zum Team dazu gestoßen ist. Als wir aufgerufen haben uns Gastartikel einzusenden tat er dies so oft und regelmäßig, dass wir ihn direkt ins Team holen mussten. Christian kümmert sich bei Magabotato um die Veröffentlichung von Blogartikeln und hat bis zu Reboot der Seite auch den Kontakt mit unseren Gastautoren gepflegt. Er ist für seine Hilfsbereitschaft und das Schreiben der Konferenzprotokolle beliebt und für seine “Klugkoterei” gefürchtet. Zu Christians liebsten Hobbytätigkeiten zählen: Geländebau, LARP, Turniere spielen (Freebooters Fate), Brettspiel und Rollenspiel. Aktive Tabletopsysteme sind: Freebooters Fate, Saga, Bolt Action, Dropzone Commander, bald wohl auf Dead Man’s Hand und Frostgrave

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5 Comments on “Turnierbericht: Meuterei am Main XII”

  1. Danke für den wieder einmal sehr guten und schön geschriebenen Turnierbericht Christian. Freebooter ist zwar leider nicht mein Spiel aber die Turniere scheinen ja sehr lustig zu sein.

      1. Ach Mensch, ich wäre echt gerne da gewesen…
        Naja Spaß beiseite. Es war wirklich ein schönes Turnier und bis auf meine erste Partie waren die Spiele auch knapper als das Endergebnis vermuten lässt. Die Tische waren toll und Orga wie Teilnehmer super nett und kompetent.
        Eine Ergänzung habe ich noch, ich habe nämlich nicht nur Calamite ins Feld geführt sondern auch Chassa, die mir gute Dienste geleistet hat (zwei Feuerstürme von Rosso überlebt) . Bleibt nur zu hoffen, dass die Legenden bald auch regeln für die neue Edition bekommen.
        Danke Christian für diesen tollen Bericht.

  2. Vielen Dank für den Bericht!

    “Vielleicht ist Freebooter’s Fate gar keine Turniersystem?”
    Ich bin der Meinung, Freebooter wäre eigentlich ein ideales Tunnelsystem weil es keine Manschaft überbevorzugt und jeder jeden besiegen kann.
    Das W…glück exestiert durch ein geteiltes Kartendeck nicht.
    Wenn wir Freebooter spielen sind alle immer total Entspannt, bei anderen TT ist das nicht immer so. Wenn 40k so ausbalanciert wäre …
    Welche Variante von Calamite und Chassa hast du verwendet Michael?

  3. Danke für die Zusammenstellung! Das schlechte Abschneiden der Massenlisten finde ich tatsächlich auch sehr interessant. Bisher hatte Ich Freebooters Fate immer unterstellt, dass letztlich die Anzahl der Aktivierung den Sieger macht (natürlich nur wenn die Spielerstärke in etwa gleich ist). Bin schon gespannt was du Zukunft insbesondere auch mit der 2. Edition zeigen wird 🙂

    P.S. Ich warte immer noch, dass meine ganzen Fragen/Bedenken zu Freebooters Fate verpodcastet werden 😉

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